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Sonderveröffentlichung

Haßberge

Ausbildung oder Studium?

Studium, weiterführende Schule oder Berufsausbildung? Bayerns Mittelschulabsolventen bevorzugen eine Lehre. FOTO: ULI DECK / FELIX KÄSTLE

Keine Frage, die Uni boomt: Mehr als die Hälfte aller Abiturienten absolviert ein Studium. Die Statistik sagt aber auch: Rund ein Drittel aller Studienanfänger bricht das Studium wieder ab. Und 43 Prozent der Studienabbrecher beginnen anschließend eine Lehre. Was lohnt sich also mehr – Ausbildung oder Studium?

Ein Studium verheißt die große Freiheit: lange Partynächte, noch längere Semesterferien, ausgedehnte Rucksacktouren und Selbstfindungsphasen. Die Realität sieht jedoch oft anders aus: überfüllte Hörsäle, hoher Leistungs- und Konkurrenzdruck und Geldsorgen rund um WG-Zimmer, Versicherungen, Semestergebühren und das Leben im Allgemeinen. Der Preis eines Studiums ist im Extremfall ein großer Schuldenberg, der bei der Jobsuche zusätzlich belastet, weil der Berufseinstieg lang und zermürbend sein kann.

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Festes Monatsgehalt

So gesehen wirkt eine Ausbildung wie ein Wellnessprogramm: Es gibt ein festes Monatsgehalt, das mit den Ausbildungsjahren steigt – so steht man schneller auf eigenen Füßen, ist unabhängiger von Eltern und Banken. Geregelte Arbeits- und Berufsschulzeiten bestimmen den Lebensrhythmus. Zwar gibt es nur fünf bis sechs Wochen Urlaub pro Jahr, aber dafür winkt eine gesicherte Zukunft: Die meisten Azubis werden später vom Ausbildungsbetrieb übernommen – mit entsprechendem Gehalt.

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Akademiker sind oft breiter und theoretischer gebildet. Ihnen steht noch bevor, was Ausgelernte längst hinter sich haben, die die Regeln und Anforderungen des Arbeitsmarkts bereits kennen. Praktisch ausgebildete Fachkräfte werden händeringend gesucht. Es gab niemals bessere Chancen, einen Ausbildungsplatz zu finden.

Sicher, das Studium hat gegenüber der Ausbildung auch Vorteile. Noch immer gilt: Wer mit seiner Karriere hoch hinaus will, der sollte Akademiker werden. 95 Prozent der Vorstandsmitglieder in den 100 größten deutschen Unternehmen haben studiert. Bereits in der mittleren Führungsebene drängen sich die Uni-Absolventen, Tendenz steigend. Dementsprechend werden Akademiker auch besser bezahlt – im Durchschnitt jedenfalls.

Trotzdem übertrifft das Gehalt von Handwerksmeistern oder Technikern häufig die Einkünfte von Akademikern mit Doktortitel. Ganz zu schweigen von den Scharen an „Irgendwas mit Medien“-Absolventen. Weiterbildungen öffnen auch Nicht-Akademikern die Türen zu aussichtsreichen Positionen und hohen Gehältern. In der Handelsbranche zum Beispiel ist die Entwicklung vom Azubi zum Chef keine Seltenheit.


Ausbildung im Kleinbetrieb

In manchen Regionen finden Jugendliche eher in Kleinbetrieben einen Ausbildungsplatz als in großen Unternehmen. Vorteilhaft ist vor allem, dass Auszubildende von Anfang an in die Betriebspraxis einbezogen werden. Das erklärt die Bundesagentur für Arbeit auf ihrem Internet-Portal „planetberuf.de“.

In einem kleinen Handwerksbetrieb etwa können Lehrlinge früh eigenverantwortlich Tätigkeiten übernehmen. Entscheidungen fallen bei weniger Mitarbeitern oft schneller, das Betriebsklima ist familiär – und der Meister oder die Firmeninhaberin selbst kümmern sich um die Auszubildenden. Wer darauf besonderen Wert legt, fühlt sich in einem Kleinbetrieb wohl.

Wichtig sei aber, sich vorab ein möglichst gutes Bild vom Ausbildungsunternehmen zu machen. Gibt es Weiterbildungsmöglichkeiten, wie stehen die Chance auf eine Übernahme? Zu bedenken ist weiterhin, dass die Aufstiegsmöglichkeiten in Kleinbetrieben nicht so gut sind wie in mittelständischen oder großen Unternehmen. mag