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Würzburg

Gebärmutterhalskrebs: Tumore erkennen, bevor sie entstehen

Beim sogenannten Pap-Test wird ein Abstrich vom Gebärmutterhals auf Zellveränderungen hin untersucht. Idealerweise erkennen die Wissenschaftler Veränderungen bereits lange, bevor sich ein Tumor entwickelt. FOTO: B. BOISSONNET, TMN


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Als Anna Schäfer (Name geändert) wegen andauernder Zwischenblutungen zum Gynäkologen ging, war sie eigentlich nicht allzu besorgt. Die regelmäßig erfolgten Abstriche zur Krebsfrüherkennung – sogenannte Pap-Abstriche – waren bei der 33-Jährigen immer unauffällig gewesen. „Beim letzten Abstrich blutete es plötzlich so stark, dass ich als Notfall ins Krankenhaus kam“, erzählt sie. Nach einer Operation war klar, dass sie einen bösartigen Tumor hat: Gebärmutterhalskrebs. Damit hatte sie nicht gerechnet.

Da sich Gebärmutterhalskrebs in der Regel langsam entwickelt, sollen mit der Krebsfrüherkennung Zellveränderung aufgespürt werden, noch bevor Krebs entsteht. „Leider ist der Abstrich nicht so sensitiv, wie wir das gerne hätten“, sagt Prof. Christian Dannecker, stellvertretender Direktor der Frauenklinik der LMU München. So können veränderte Zellen auch übersehen werden. „Der Test bietet daher nur bei regelmäßiger Teilnahme eine hohe Sicherheit“.

Zusätzlicher HPV-Test für Frauen über 35

Für Frauen über 35 Jahren wird die Früherkennung bald geändert: nur noch alle drei Jahre ein Abstrich, dafür ein zusätzlicher Test auf humane Papillomviren (HPV). Man weiß heute, dass HPV für rund 90 Prozent der Gebärmutterhalskarzinome verantwortlich ist. Fast jeder Mensch infiziert sich allerdings einmal im Leben mit HPV, viele schon beim ersten sexuellen Kontakt über die Haut. „Bei Frauen unter 30 Jahren ist ein positiver HPV-Test fast schon normal“, sagt Dannecker. Der Körper wird in der Regel selbst mit den Viren fertig. Deswegen wird der neue Test nur bei Frauen über 35 durchgeführt.

Findet der Arzt veränderte Zellen am Gebärmutterhals, ist dies noch keine Krebsdiagnose. Erst im fortgeschrittenen Stadium werden sie meist operativ entfernt. Bei der sogenannten Konisation trennt der Arzt mit einer Elektroschlinge das veränderte Gewebe am Gebärmutterhals heraus. Eine Schwangerschaft ist weiterhin möglich, das Risiko für eine Frühgeburt bei dieser minimalinvasiven Technik nur leicht erhöht.

Bei Anna Schäfer war das anders. Sie hätte gern noch eigene Kinder bekommen, hat nun aber keine Gebärmutter mehr. Ihr Arzt riet zu einer kompletten Entfernung, weil der Tumor schon so groß war. In einer siebenstündigen Operation nahmen die Ärzte auch fast 30 Lymphknoten aus ihrem unteren Bauch heraus, um sicherzugehen, dass sich dort keine Krebszellen verstecken.

Neuer Impfstoff verhindert Infektion

Weil das nicht der Fall war, brauchte die junge Frau keine Chemotherapie. „Es wird versucht unimodal zu behandeln, also entweder mit einer OP oder mit Strahlen- Chemotherapie, um die Patientin nicht doppelt zu belasten“, erklärt Dannecker.

Schäfers Erkrankung soll bald der Vergangenheit angehören. Der neueste HPV-Impfstoff verhindert die Infektion mit den neun häufigsten Typen. „Man kann den Wert der Impfung gar nicht hoch genug einschätzen“, sagt Neis. „Leider sind die Impfraten zu niedrig“ – und das, obwohl der Pieks kaum Nebenwirkungen hat. Empfohlen wird die Impfung für Mädchen vor dem ersten sexuellen Kontakt. Denn: „Auf eine bestehende Infektion hat die HPV-Impfung keinen Einfluss mehr“, sagt Dannecker. Dann muss der Körper selbst mit den Viren fertig werden. tmn

Mammographie Screening

Wie häufig ist Brustkrebs?

Brustkrebs ist mit etwa 30,5 Prozent die häufigste Krebserkrankung bei Frauen in allen Staaten der industrialisierten Welt. Seit den 1980er Jahren ist die Zahl der Fälle auf das Doppelte gestiegen: Ungefähr 69000 Mal im Jahr stellen Ärztinnen und Ärzte aktuell die Diagnose „Mammakarzinom“ bei einer Frau, über 17850 Frauen sterben jährlich daran. Auch Männer können an Brustkrebs erkranken, allerdings sehr selten: Auf etwa 69220 neu erkrankte Frauen im Jahr 2014 kamen 650 Männer mit Brustkrebs.

Wenn auch die häufigste, so ist Brustkrebs in der Regel nicht die gefährlichste Krebsart. Die Zahl der Sterbefälle sinkt seit einigen Jahren, und dieses trotz steigender Rate an Neuerkrankungen. Das Mammakarzinom ist heute erfolgreicher behandelbar als früher. Fünf Jahre nach der Diagnose sind ca. 81,6 Prozent der Patientinnen noch am Leben. Die Heilungsrate ist in den letzten 10 Jahren durch eine verbesserte Früherkennung, neue Therapiekonzepte (operativ, strahlentherapeutisch und medikamentös) und die interdisziplinäre Betreuung in den zertifizierten Zentren gestiegen.

Derzeit erkrankt eine von acht Frauen im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs. Dabei steigt das Risiko mit zunehmendem Alter. Jüngere Frauen sind nur selten betroffen, erst ab dem 40. und besonders ab dem 50. Lebensjahr erhöht sich das Risiko, um ab dem ca. 70. Lebensjahr wieder abzusinken. Das mittlere Erkrankungsalter für Brustkrebs liegt mit ca. 64 Jahren einige Jahre unter dem Durchschnitt aller Krebserkrankungen, wobei jede vierte Betroffene jünger als 55 Jahre und jede Zehnte jünger als 45 Jahre alt ist. Deutsche Krebsgesellschaft

Brustkrebsvorsorge und -früherkennung im Überblick

Alle zwei Jahre werden Frauen zwischen 50 und 69 zum Mammografie-Screening eingeladen. FOTO:VIVIANE WILD, DPA
Alle zwei Jahre werden Frauen zwischen 50 und 69 zum Mammografie-Screening eingeladen. FOTO:VIVIANE WILD, DPA
Vorsorgen im Sinne von vorbeugen – das können Frauen selbst durch einen gesunden Lebensstil und indem sie beeinflussbare Risikofaktoren vermeiden. Die Frauenärztin oder der Frauenarzt kann lediglich dafür Sorge tragen, dass Krebs so früh wie möglich entdeckt wird. Und vielen Fällen gilt: Je früher ein bösartiger Tumor entdeckt wird, umso größer ist die Chance auf Heilung.

Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten für regelmäßige Früherkennungsuntersuchungen. In welchen Intervallen und was genau untersucht wird, ist abhängig vom Alter der Frauen.

Frauen zwischen 30 und 49 und ab 70 Jahren:

Einmal jährlich werden die Brustdrüsen und die Lymphknoten in den Achselhöhlen, am Schlüssel- und Brustbein abgetastet, die Form und Größe der Brust und Brustwarzen kontrolliert. Die Brustwarze wird vorsichtig gedrückt, um zu überprüfen, ob Flüssigkeit austritt.

Frauen zwischen 50 und 69 Jahren:

Zusätzlich zur jährlichen Tastuntersuchung werden Frauen dieser Altersgruppe alle zwei Jahre per Brief zum Mammografie-Screening eingeladen.

Früherkennung bei erblicher Vorbelastung und Vorliegen einer Genveränderung:

Für Frauen, in deren Familie gehäuft Brustkrebs in jungem Alter vorkommt und bei denen eine genetische Veränderung im BRCA1- oder BRCA2-Gen nachgewiesen wurde, wird bereits ab dem 25. Lebensjahr oder 5 Jahre vor dem jüngsten Erkrankungsalter in der Familie alle sechs Monate eine Tast- und Ultraschalluntersuchung und einmal pro Jahr eine Kernspintomografie empfohlen.

Zudem soll ab dem 40. Lebensjahr ein- bis zweijährlich eine Mammografie vorgenommen werden. Deutsche Krebsgesellschaft