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Lüneburger Heide: Was Camp Reinsehlen so besonders macht

Die Heidschnucken pflegen durch ihren Appetit die Landschaft. FOTO: WOLFGANG STELLJES

Steffen Schmidt stützt sich auf seinen Stock. Ohne den würde er nicht durchhalten, sagt der Schäfer. Brauner Filzhut, winddichte Weste, leicht ergrauter Bart: So steht er da, ein wenig nach vorne gebeugt, und beobachtet seine Heidschnucken.

Die Schafe nähern sich gerade dem „Hotelcamp Reinsehlen“ bei Schneverdingen in Niedersachsen, die Gäste können die Tiere ganz aus der Nähe studieren. „Sie dürfen auch die Terrasse vollkötteln“, sagt Schmidt. So weit lässt er es aber nicht kommen. Ein schriller Pfiff, und Fiene, sein altdeutscher Hütehund, setzt dem Treiben ein Ende.

Typisch Lüneburger Heide, könnte man jetzt sagen. Nur dass weit und breit keine Heide zu sehen ist. Sondern nur eine weite, karge, fast baumfreie Ebene: Camp Reinsehlen ist eine Sandmagerrasenfläche, mit rund 180 Hektar die größte in Norddeutschland.

Auf den ersten Blick ist hier – fast nichts. Wer allerdings genauer hinschaut, entdeckt viele kleine Farbtupfer. So haben sich etwa Labkraut (gelb), Gemeine Schafgarbe (weiß), Berg-Sandglöckchen (blau) und Heide-Nelke (karminrot) mit dem nährstoffarmen Boden arrangiert.

Jeden Tag zieht Steffen Schmidt mit seinen Heidschnucken durch das Camp - Landschaftsschutz. Ohne seine Herde würde die Fläche relativ schnell wieder zuwachsen, vor allem mit Birken und Kiefern.

In der Luft zwitschert eine Feldlerche, typisch für offene Landschaften wie diese, die nicht intensiv bewirtschaftet werden. Der Bodenbrüter ist einer der Gründe, warum man den Sandmagerrasen von Anfang April bis Ende August nicht betreten darf. Es gibt nur eine Ausnahme: „Ein Tag mit dem Schäfer“ heißt ein Angebot für Besucher.

Klettern statt Panzer waschen

„Mit uns kommt man in die Fläche rein“, sagt Schmidt. Sechs bis sieben Stunden ist man gemeinsam unterwegs. „Und guckt den Schafen beim Fressen zu.“ In diesem Jahr gibt es zum ersten Mal auch die „Schnucken-Auszeit“, eine kürzere Variante von zweieinhalb Stunden.

Seit 2015 informiert ein Rundweg mit Info-Tafeln über die Geschichte und Gegenwart des Camps. Auf dem ehemaligen Flugfeld wuchs Magerrasen, der heute unter Naturschutz steht. Die ehemalige Panzerwaschanlage der Briten ist jetzt ein Kletterpark.

Die Halle gehört zum „Hotelcamp Reinsehlen“, das gemeinsam mit der Alfred Toepfer Akademie für Naturschutz mehrere der ehemaligen Verwaltungsgebäude nutzt. Hinzugekommen sind Öko-Lodges.

Hotelchef Helko Riedinger legt großen Wert auf Naturverträglichkeit, vom Gründach bis zur E-Tankstelle vor dem Haus. Das größte Plus sei jedoch die Ruhe, sagt der 42-Jährige. Eine Ruhe, an die sich manche Gäste erst gewöhnen müssen. Mitunter stellt die Natur auch noch den Wecker, wenn sich frühmorgens ganz in der Nähe ein Kuckuck meldet.

Anreise: Mit dem Auto über die A1 (Abfahrt Rade oder Stuckenborstel) oder A7 (Abfahrt Schneverdingen). Mit dem Zug über Hamburg und Buchholz oder über Hannover und Soltau bis Schneverdingen. Schneverdingen ist angebunden an den Hamburger Verkehrsverbund. mag

Infos: Schneverdingen Touristik, Rathauspassage 18, 29640 Schneverdingen, ü(05193) 93800, E-Mail: touristik@schneverdingen.de, www.schneverdingen-touristik.de

 



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