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Westheim: das Dorf aus der Frankenzeit

Die Steigerwaldgemeinde Westheim, ein Dorf aus der Frankenzeit, feiert am Wochenende das Kirchweihfest. FOTOS: CHRISTIANE REUTHER  

Die Steigerwaldgemeinde Westheim feiert am kommenden Wochenende das Kirchweihfest.

Das Dorf aus der Frankenzeit ist zwar erst 1231 schriftlich erwähnt, wurde aber wohl bereits im 6./7. Jahrhundert gegründet. Die beiden aus der Ferne fast zwillingshaft wirkenden Kirchtürme sind charakteristisch für das Ortsbild. Beide Gotteshäuser entstanden in der Spätzeit des Klassizismus.

Der bruchsteingemauerte, dreistöckige evangelische Kirchturm ist von äußerster Einfachheit und trägt eine spitze Haube. Die in Sichtweite liegende katholische St.-Michaels-Kirche trägt einen wesentlich spektakuläreren Dachaufbau: Aus den vier spitzen Uhrengiebeln, deren Ränder von Bogenfriesen geziert sind, steigt ein viereckiger Helm empor.

Religiöses Dreieck

Von der alten gotischen wehrkirchenartigen Anlage sind nur noch einige stattliche Mauern und Gaden erhalten. Gaden sind Lager- oder Kellerräume, in die man besonders in Kriegszeiten das eigene Hab und Gut zu retten suchte. Einer der Gaden wurde vor einigen Jahren aufwendig restauriert.

Neben den beiden Gotteshäusern komplettiert die 1913 entstandene Synagoge das für Westheim außergewöhnliche „Religionsdreieck“. In der Reichskristallnacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurde die Inneneinrichtung der Synagoge zerstört. Das Gebäude selbst blieb erhalten und wurde mittlerweile zu einem Wohnhaus umgebaut.

Gasthäuser gab es in Westheim mindestens zwei, eines für jede Konfession: Das Gasthaus „Schwarzer Adler“ gegenüber der katholischen Kirche diente noch bis Ende des 20. Jahrhunderts als Gastwirtschaft. Das Gasthaus ist in seiner historischen Funktion sehr prägend und war für den Knetzgauer Gemeindeteil Westheim stets Zentrum des Dorfgeschehens. Es wird momentan in ein Dorf- und Gemeinschaftshaus umfunktioniert. Das unmittelbar benachbarte „Gasthaus zum Schwan“ musste seinen Betrieb bereits im Zuge des Zweiten Weltkriegs einstellen.

Künstlertreff

Kunst und Kunsthandwerk werden in Westheim seit jeher großgeschrieben. Der Kunsthandwerkerhof von Hannes Betz, an der Eschenauer Straße gelegen, ist für Westheim und die gesamte Region eine Bereicherung. Die Kunstschaffenden aus Westheim und den umliegenden Dörfern haben sich in dem Künstlertreff vereinigt und organisiert.

Im schönen Ambiente des Bauernhofes, erbaut 1852, fanden vor der Corona-Pandemie in regelmäßigen Abständen ansprechende Kunstausstellungen statt.

Im Dachgeschoss des Anwesens befindet sich ein Archivzimmer, das sogenannte „Abraham-Lincoln-Zimmer“. Hier befinden sich an die 400 alte Bücher, Zeitungen und sonstige historische Gegenstände. Nicht nur aus der eigenen Gemeinde, sondern Raritäten und Kuriositäten aus Nachbargemeinden und Städten sind in diesem Zimmer verwahrt. (cr)

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