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Sonderveröffentlichung

Rhön und Saalepost

Schnee räumen und streuen von der Steuer absetzen

Wer Räum- und Streuarbeiten gegen Entgelt erledigen lässt, kann die Kosten von der Steuer absetzen. FOTO: THINKSTOCK


müller & kollegen Steuerberatungsgesellschaft mbH
Eva Sterzinger Steuerberaterin
Lohi Bad Neustadt
Dipl.-Kfm. Roland Wilm Steuerberater
Heumann GmbH Steuerberatungsgesellschaft
Eigenheimbesitzer sind für den Winterdienst am angrenzenden öffentlichen Gehweg verantwortlich. Vermieter wälzen diese Pflicht gerne und häufig auf ihre Mieter ab. Was tun, wenn die vorgeschriebenen Zeiten aufgrund der eigenen Berufstätigkeit nicht eingehalten werden können? Oder wenn die physische Konstitution wegen Erkrankung die Ausübung dieser Pflicht nicht zulässt? Falls der Nachbar nicht übernehmen kann, dann bleibt oft nur der Anruf bei einem Hausmeisterdienst. „Was viele nicht wissen: Ein Teil der Rechnung ist bei der Einkommensteuer anrechenbar!“, so Mark Weidinger, Vorstand der Lohi.

Aufgrund der Verkehrssicherungspflicht in Deutschland müssen Bürgersteige und Hauszugänge in der Regel zwischen 7 und 20 Uhr geräumt und gestreut, also sicher für Verkehrsteilnehmer sein. Bei durchgehendem oder starkem Schneefall sind die Anlieger daher mehrmals täglich gefordert, ihrer Pflicht nachzukommen. Wird diese Pflicht vernachlässigt, so muss der Hauseigentümer im Falle eines Unfalls neben einem möglichen Bußgeld unter Umständen für die Kosten des Unfalls und seiner Folgen aufkommen. Wurde fahrlässig gehandelt, kann auch die Haftpflichtversicherung eine Zahlung verweigern.

Schnee räumen ist eine haushaltsnahe Dienstleistung

Daher übertragen viele Bewohner diese Arbeiten an eine Firma. In der Steuererklärung werden diese Kosten als haushaltsnahe Dienstleistung eingetragen. In Summe können jedes Jahr bis zu 4000 Euro die persönliche Steuerschuld direkt reduzieren. Von der Firmenrechnung werden die Lohn-, Maschinen- und Fahrtkosten zu zwanzig Prozent berücksichtigt. Das Finanzamt erkennt nur Überweisungen, keine Barzahlungen an.

Übrigens können Mieter, die selbst niemanden beauftragt haben, diese Kosten bei der Steuererklärung auch angeben, wenn ihr Vermieter sie bei der Nebenkostenabrechnung gesondert aufgeführt hat. Der Steuerbonus gilt nicht nur für das Streuen und Räumen auf öffentlichen Gehwegen, sondern auch auf dem eigenen Grundstück! lohi

Amt muss Eigenbedarfsklausel akzeptieren

Eigentümer können sich bei der Vermietung ihrer Wohnung eine Eigenbedarfskündigung vorbehalten. Die Ausgaben für die Wohnung können sie trotz einer entsprechenden Klausel bei der Einkommensteuer absetzen, erklärt der Bund der Steuerzahler mit Blick auf ein Urteil des Finanzgerichts Hamburg (Az.: 2 K 151/17). Denn auch bei einer vorübergehenden Vermietung an Fremde kann eine dauerhafte Vermietungsabsicht vorliegen, wenn später an Angehörige vermietet werden soll.

Im verhandelten Fall erwarb der Kläger 2005 eine Eigentumswohnung, die er zunächst selbst nutzte. Ab dem Jahr 2011 vermietete er die Wohnung auf unbestimmte Zeit.

Für den Fall, dass seine Nichte die Wohnung jedoch benötigt, wurde für das Jahr 2015 eine Beendigung des Mietvertrages wegen Eigenbedarfs vereinbart.

Mitte 2014 zog der Mieter aus eigenem Wunsch aus. Da sich inzwischen herausgestellt hatte, dass die Nichte die Wohnung nicht nutzen wollte, verkaufte der Kläger das Objekt im Jahr 2014.

In seinen Einkommensteuererklärungen machte der Kläger Verluste, die ihm im Zusammenhang mit der Wohnung entstanden waren, steuermindernd geltend. Das Finanzamt erkannte diese jedoch nicht an, da dem Kläger die dauerhafte Vermietungsabsicht gefehlt habe, die für die steuerliche Anerkennung erforderlich sei.

Vor dem Finanzgericht konnte der Kläger aber nachweisen, dass er die Absicht gehabt hatte, die Wohnung dauerhaft zu vermieten, weil der Mietvertrag grundsätzlich auf unbestimmte Zeit abgeschlossen war. Zudem war von Anfang an geplant, dass auch die Angehörige später Miete zahlen sollte.

„Vermieter, die ihre Wohnung vermieten und eine Eigenbedarfsklausel im Vertrag vereinbaren, sollten neben der zivilrechtlichen Wirksamkeit auch die steuerliche Seite berücksichtigen“, rät Isabel Klocke vom Bund der Steuerzahler.

Unter Umständen sollte ein solcher Sachverhalt vorab mit einem Steuerberater oder Rechtsanwalt besprochen werden. Gerade wenn die Wohnung nur kurz vermietet war und in dieser Zeit kein Einnahmeüberschuss entstanden war, prüft das Finanzamt die Einnahmeerzielungsabsicht sehr genau. tmn

Was sich für Steuerzahler geändert hat

2019 bringt für Steuerzahler eine Reihe von Änderungen. Familien zum Beispiel bleibt oft mehr Geld in der Tasche. FOTO: ANDREA WARNECKE, TMN
2019 bringt für Steuerzahler eine Reihe von Änderungen. Familien zum Beispiel bleibt oft mehr Geld in der Tasche. FOTO: ANDREA WARNECKE, TMN
Neues Jahr, neue Gesetze: Seit dem 1. Januar gelten für Steuerzahler einige neue Regeln. Zum Beispiel neue Einkommensgrenzen. Denn die sind 2019 für alle Steuersätze um 1,84 Prozent gestiegen, erklärt die Verbraucherzentrale Nordrein-Westfalen. Damit soll die Inflationsrate des Jahres 2018 in den Steuertarif eingepreist werden.

Weiteres Ziel der Neuregelung ist es den Angaben zufolge, den Effekt der kalten Progression auszugleichen. Diese würde ansonsten bewirken, dass Lohn- und Gehaltssteigerungen in Verbindung mit der Inflation zumindest teilweise durch eine höhere Steuerbelastung aufgezehrt würden, erklären die Verbraucherschützer. Weitere wichtige Änderungen im Überblick:

- Höhere Freibeträge: Ledige haben seit dem 1. Januar in der Einkommensteuer einen Grundfreibetrag von 9168 Euro. Das sind 168 Euro mehr als 2018. Verheirateten stehen nun 18 336 Euro zu, also 336 Euro mehr als bisher. Bis zu diesem Betrag bleibt das Einkommen steuerfrei. Im selben Umfang erhöhen sich die Beiträge, bis zu denen Steuerzahler Unterhalt für nahe Angehörige als außergewöhnliche Belastungen abziehen können.

Angehoben wurde auch der sächliche Kinderfreibetrag: Er erhöhte sich um 96 Euro auf 2490 Euro pro Kind und Elternteil, erklärt der Bund der Steuerzahler. Der Freibetrag für den Betreuungs-, Erziehungsoder Ausbildungsbedarf bleibt unverändert bei 1320 Euro pro Kind und Elternteil bestehen. Insgesamt wird einem Elternpaar pro Kind im Jahr 2019 also ein Kinderfreibetrag von 7620 Euro gewährt.

- Mehr Zeit für die Steuererklärung: Ab dem Steuerjahr 2018 hat jeder zwei Monate mehr Zeit für seine Steuererklärung. Statt wie bisher bis Ende Mai müssen die Dokumente nach Angaben der VZ NRW künftig immer erst bis zum 31. Juli eingereicht werden. Eine längere Frist gibt es auch, wenn ein Steuerberater oder ein Lohnsteuerhilfeverein hilft. War der letzte Termin für die Erklärung 2017 noch der 31. Dezember 2018, kann die Steuererklärung für 2018 nun bis Ende Februar 2020 abgegeben werden, wenn ein Berater dabei mitwirkt.

- Jobtickets sind künftig steuerfrei: Verbilligte Jobtickets sind seit Januar 2019 gänzlich steuerfrei. Das heißt, Beschäftigte müssen die Kostenersparnis nicht mehr versteuern. Ziel ist es, so den öffentliche Nahverkehr zu stärken. Allerdings werden die steuerfreien Leistungen auf die Entfernungspauschale angerechnet. Das Job-Ticket ist allerdings nur steuerfrei, wenn Arbeitnehmer es zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn erhalten, erklärt die Vereinigte Lohnsteuerhilfe (VLH). Handelt es sich hingegen um eine Entgeltumwandlung, greift die Steuerbefreiung nicht.

- Neue Sachbezugswerte für Arbeitnehmer: Bekommen Arbeitnehmer von ihrem Chef ein Essen spendiert, kann das für das Finanzamt als steuerpflichtiger Arbeitslohn gewertet werden. Maßgeblich sind nach Angaben des Bundes der Steuerzahler die sogenannten Sachbezugswerte. Der Wert für eine verbilligte oder unentgeltliche Mahlzeit, beispielsweise in einer Betriebskantine, beträgt ab 2019 für ein Frühstück 1,77 Euro und für ein Mittag- oder Abendessen 3,30 Euro. Bisher lagen die Werte bei 1,73 Euro beziehungsweise 3,23 Euro. Auch die Werte für Unterkunft oder Miete steigen: Der Sachbezugswert für freie Unterkunft beträgt 2019 bundeseinheitlich 231 Euro monatlich.

- Neuer Mindestlohn auch für Minijobber: Wer einen Minijobber beschäftigt, muss sich an den neuen Mindestlohn halten. Er liegt seit dem 1. Januar bei 9,19 Euro pro Stunde. Arbeitgeber müssen den Lohn im Zweifel anpassen, erklären die Verbraucherschützer.

Das Problem: Die Verdienstgrenze von 450 Euro im Monat darf nicht überschritten werden. Ansonsten wird das Arbeitsverhältnis sozialversicherungspflichtig. tmn

Kosten absetzbar für Heilmethode: Attest kann reichen

Steuerzahler können unter bestimmten Umständen auch Kosten für eine wissenschaftlich nicht anerkannte Heilmethode steuerlich geltend machen. So kann es als Nachweis ausreichen, wenn sie eine kurze Stellungnahme des Amtsarztes vorlegen. Das geht aus einem Urteil des Finanzgerichtes Rheinland-Pfalz hervor (Az.: 1 K 1480/16).

Im vorliegenden Fall hatten Eltern ihre schwerbehinderte Tochter von Heilpraktikern behandeln lassen. Die Krankenkasse lehnte die Erstattung der Kosten in Höhe von 16 800 Euro ab. Die Kläger führten die Ausgaben als außergewöhnliche Belastung in der Steuererklärung auf. Das Finanzamt berücksichtigte die Ausgaben nicht.

Zu Unrecht, entschied das Finanzgericht. Zwar sei das Kind mit wissenschaftlich nicht anerkannten Methoden behandelt worden. In diesem Fall reiche aber die vorgelegte Bescheinigung. Die Eltern hatten ein privatärztliches Attest einer Fachärztin für Kinder- und Jugendheilkunde mit Fachgebiet Homöopathie beigefügt.

Demnach sei bei dem Krankheitsbild jeder Versuch, das Ergebnis zu verbessern, für die Familie wichtig und medizinisch jeder positive Impuls für das Kind zu begrüßen. Auf dem Attest hatte der zuständige Amtsarzt vermerkt: „Die Angaben werden amtsärztlich bestätigt“. Nach Auffassung der Richter könne die Vorlage eines knappen amtsärztlichen Attests genügen. tmn

Kosten für Arbeitskleidung sind abzugsfähig

Uniform, Kittel oder Blaumann – Arbeitnehmer können Ausgaben für Arbeitskleidung in der Regel als Werbungskosten von der Einkommensteuer absetzen. Neben dem Anschaffungspreis gehören dazu auch die Kosten für die Reinigung, erklärt die Bundessteuerberaterkammer in Berlin. Die Abgrenzung zu den nicht abzugsfähigen allgemeinen Kosten der Lebensführung kann aber im Einzelfall schwierig sein.

Das gilt insbesondere, wenn zwischen Arbeitskleidung und bürgerlicher Kleidung kaum Unterschiede bestehen. Allerdings können Aufwendungen eines Oberkellners für die Anschaffung, Reinigung und Instandhaltung eines schwarzen Anzugs als Werbungskosten abziehbar sein, wenn er nach einer Dienstvorschrift verpflichtet ist, bei seiner Tätigkeit einen solchen Anzug zu tragen. Auch Kosten für typische Berufskleidung wie etwa Uniformen sind abzugsfähig. tmn

Unfallkosten steuerlich absetzen

Unfallkosten sind steuerlich als Werbungskosten absetzbar. Das gilt zumindest dann, wenn der Unfall auf dem Weg zur Arbeit oder von der Arbeit zurück passiert. Voraussetzung für eine Anerkennung ist, dass ein Nachweis mit den betreffenden Rechnungen und Quittungen erbracht wird, erklärt der Bundesverband Lohnsteuerhilfevereine (BVL). Der Unfallbericht der Polizei sollte als Nachweis der Steuererklärung beigefügt werden.

Schwierig ist manchmal der Nachweis, dass sich der Unfall auf einer beruflichen Fahrt ereignet hat. Eine Bescheinigung des Arbeitgebers, die den Anlass der Fahrt bescheinigt, dass die Arbeit wegen des Unfalls später oder gar nicht aufgenommen wurde oder auch Zeugen, die den beruflichen Anlass der Fahrt bestätigen können, sind hilfreich. tmn