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Rhön-Grabfeld

Lohnt sich 2020 noch mehr: Steuererklärung für Auszubildende

Azubis sammeln am besten Belege. Mit einer Steuererklärung bekommen sie dann vielleicht einen Teil der gezahlten Sozialabgaben zurück. FOTO: CHRISTIN KLOSE

Bluhm Susanne Steuerberaterin
R&H Herzer GmbH Steuerberatungsgesellschaft
Susanne Bluhm
Lohi Bad Neustadt
Heumann GmbH Steuerberatungsgesellschaft
Tanja Bubenik Steuerberaterin
Einkommensteuererklärung, nein danke. Das hört Stefan Bärenz öfters, wenn er mit Azubis spricht. Er ist Ausbildungsberater bei der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main und deshalb auch Anlaufstelle für Fragen rund um Geld und Steuern.

Er schätzt, dass höchstens zehn Prozent der Auszubildenden eine Steuererklärung abgeben. Das nicht zu tun, hält Bärenz für falsch. Zwar bekommt man vielleicht nur 25 oder 50 Euro zurück – das ist aber immerhin etwas.

Zahle ich denn als Azubi überhaupt Steuern?

Einkommensteuer zahlt derjenige, dessen Einkünfte den jährlichen Grundfreibetrag übersteigen. Dieser liegt für 2019 bei 9168 Euro, 2020 bei 9408 Euro. Normalerweise bleibt die Azubi-Vergütung unter diesen Grenzen. Ein Blick auf die vom Arbeitgeber ausgestellte Jahressteuerbescheinigung oder den monatlich Gehaltszettel zeigt, ob der Betrieb für den Azubi nicht doch Lohnsteuer, Solidaritätszuschlag und eventuell Kirchensteuer ans Finanzamt abgeführt hat.

Das kann passieren, wenn der Ausbildungsbetrieb zusätzlich zur Vergütung zum Beispiel Weihnachtsgeld oder einen Bonus zahlt. Wurden Steuern abgeführt, können Azubis sich dieses vom Betrieb weitergeleitete Geld über die Einkommensteuererklärung vom Finanzamt erstatten lassen.

Die Steuererklärung ist in der Regel freiwillig. Ausnahme: Wer über bestimmten Einkommensgrenzen liegt, wird vom Finanzamt zur Abgabe aufgefordert. Steuerpflichtig können Azubis beispielsweise dann sein, wenn sie nicht allein ihre Vergütung bekommen, sondern darüber hinaus aus Opas Erbe oder einer Schenkung Einkünfte erzielen.

Wie macht man die Steuererklärung?

Auszubildende müssen nur eine verkürzte Steuererklärung machen, erläutert Erich Nöll vom Bundesverband Lohnsteuerhilfevereine. Das gehe deutlich schneller – etwa 20 Minuten – und einfacher als der sonst noch erforderliche Rest. Das Formular lässt sich im Internet, zum Beispiel auf einer Seite des Bundesfinanzministeriums, herunterladen.

Es wird am Computer ausgefüllt und über das Portal Elster elektronisch ans Finanzamt gesendet. Das Portal bietet nicht nur Hilfe an, sondern prüft die Erklärung vor dem Versand auch auf Plausibilität. Zugang und Nutzung von Elster sind kostenlos.

Belege müssen zwar noch gesammelt, aber nicht mehr ans Finanzamt geschickt werden – außer die Behörde fordert dazu auf. Mit dem elektronischen Versand der Steuererklärung fällt die früher übliche handschriftliche Unterschrift unter der Steuererklärung inzwischen auch weg.

Geht das auch einfacher?

Es gibt private Softwareanbieter, die Unterstützung bei dem Ausfüllen der Steuerformulare anbieten. Solche Angebote sind häufig kostenpflichtig. Auch Steuerberater und Lohnsteuerhilfevereine bieten Rat und Unterstützen gegen Gebühr.

Minderjährige Azubis dürfen sich selbstverständlich von ihren Eltern helfen lassen. Aber: „Erstattungen stehen in der Regel dem Auszubildenden selbst zu“, so die Bundessteuerberaterkammer. Es sei denn, es geht um die von Eltern in Abzug gebrachten Sozialabgaben.

Was kann ich anrechnen lassen?

In ihrer Steuererklärung können Auszubildende zum Beispiel Werbungskosten geltend machen. Dazu gehört, was mit der Ausbildung zusammenhängt. „Bücher für die Berufsschule, Bewerbungskosten, Fahrkosten zum Betrieb, Arbeitskleidung, Werkzeug“, listet Lothar Herrmann von der Hessischen Steuerberaterkammer auf.

Die sogenannte Werbungskostenpauschale beträgt 1000 Euro. „Bei Büchern bis zu 300 Euro und dem Jobticket kommt man nicht über die Pauschale“, schätzt Herrmann. Nicht absetzbar sei „was der Arbeitgeber erstattet oder stellt“. Das können sowohl Arbeitsmittel als auch Fahrkosten sein.

Die Miete für ein Zimmer oder eine Wohnung am Ausbildungsort fernab von Zuhause ist ebenfalls absetzbar. Auch lange Abwesenheit von Daheim, etwa an Berufsschultagen mit weiter Anfahrt oder Fahrten zu anderen, entfernten Firmen-Standorten, erkennt das Finanzamt an.

Dann kann eventuell Verpflegungsmehraufwand geltend gemacht werden. Die Erstattungssätze sind nach Zeitstunden gestaffelt. Aber: Kostgeld, das zu Hause lebende Azubis eventuell bei Vater und Mutter abgeben, ist nicht von der Steuer absetzbar.

Unter den sogenannten Sonderausgabenabzug fallen nach Angaben der Bundessteuerberaterkammer zum Beispiel die Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung. Den Punkt sollten Azubis mit ihren Eltern absprechen, denn auch sie dürfen diese Ausgaben des Kindes in ihrer Steuererklärung geltend machen. Deshalb empfiehlt Nöll vom Bundesverband Lohnsteuerhilfevereine: „Bitte darauf achten, dass die Sozialbeiträge nicht doppelt angegeben werden.“ tmn
  

Ermäßigten Steuersatz für ausgezahlten Urlaub fordern

Wird nicht genutzter Urlaub ausgezahlt, fallen darauf Steuern an. Der Bund der Steuerzahler rät Arbeitnehmern, die Ansprüche aus mehreren Jahren ausgezahlt bekommen, dafür eine ermäßigte Besteuerung zu verlangen.

In einem aktuellen Fall hat das Finanzgericht Hamburg zwar entschieden, dass es sich bei der Auszahlung des Urlaubsanspruchs nicht um eine Vergütung aus mehrjähriger Tätigkeit handelt, die ermäßigt zu besteuern ist. Die Richter des Finanzgerichts Münster beurteilten einen ähnlichen Fall allerdings anders. „Nun beschäftigt sich der Bundesfinanzhof mit der Frage“, sagt Isabel Klocke vom Bund der Steuerzahler.

Unklar, was eine außerordentliche Einkunft ist

Im Streitfall aus Hamburg erhielt ein Arbeitnehmer, der 2016 in Rente ging, für die Jahre 2015 und 2016 Geld für den nicht genommenen Urlaub. Da der Mann arbeitsunfähig war, hatte er den Urlaub vor Rentenbeginn nicht mehr einlösen können. Das Finanzamt setzte auf die Auszahlung den vollen Steuersatz an. Der Rentner vertrat jedoch die Auffassung, dass es sich dabei um eine Vergütung für eine mehrjährige Tätigkeit handelt. Als außerordentliche Einkunft sei sie ermäßigt nach der Fünftelregelung zu besteuern. Die Richter am Finanzgericht sahen dies anders (Az.: 6 K 80/18).

Steuerzahler können sich auf Verfahren berufen

Anders beurteilte das Finanzgericht Münster einen ähnlichen Fall, bei dem es um Überstunden aus drei Jahren ging. Hier erlaubten die Richter die ermäßigte Besteuerung (Az.: 3 K 1007/18). Allerdings hat das Finanzamt Revision beim Bundesfinanzhof eingelegt (Az.: VI R 23/19).

Der Bund der Steuerzahler geht davon aus, dass die Finanzämter bei Urlaubs- oder Überstundenvergütungen aus mehreren Jahren die ermäßigte Besteuerung weiterhin nicht gewähren. „Betroffene können sich dann auf das laufende Verfahren beim Bundesfinanzhof stützen und Einspruch gegen ihren Steuerbescheid einlegen, wenn das Finanzamt den vollen Steuersatz verlangt“, rät Klocke.

Zugleich sollte das Ruhen des Verfahrens beantragt werden. So bleibt der eigene Steuerfall bis zu einer Entscheidung in dem Pilotverfahren offen. tmn
   

Unbelegte Brötchen vom Chef sind kein Frühstück

Sind vom Chef bereitgestellte Brötchen unbelegt, zählen sie nicht als Arbeitslohn. FOTO: CHRISTIN KLOSE, TMN
Sind vom Chef bereitgestellte Brötchen unbelegt, zählen sie nicht als Arbeitslohn. FOTO: CHRISTIN KLOSE, TMN
Unbelegte Brötchen und Heißgetränke sind noch kein Frühstück – zumindest aus steuerrechtlicher Sicht. Damit müssen sie auch nicht als Sachwertbezug versteuert werden, urteilten die Richter des Bundesfinanzhofs (BFH) in einem kürzlich veröffentlichten Urteil (Az.: VI R 36/17).

In dem verhandelten Fall stellte ein Chef seinen Mitarbeitern im Betrieb kostenlos unbelegte Backwaren und Heißgetränke zum sofortigen Verzehr zur Verfügung. Das Finanzamt erkannte die Speisen und Getränke als Frühstück an – und damit als Sachwertbezug, der als Teil des Arbeitslohnes versteuert werden muss.

Die BFH-Richter entschieden anders: Heißgetränke und unbelegte Brötchen seien noch keine Mahlzeit. Denn selbst für ein einfaches Frühstück fehle dabei der Aufstrich oder der Belag. Somit handelt es sich nicht um eine Mahlzeit, die als Arbeitslohn versteuert werden muss. Vielmehr sei dies eine Aufmerksamkeit des Chefs, die lediglich dazu dient, günstige betriebliche Arbeitsbedingungen zu schaffen.

Würde der Chef seinen Angestellten im Betrieb hingegen kostenlos oder vergünstigt eine richtige Mahlzeit zur Verfügung stellen, wäre diese Teil des Arbeitslohns – und als Sachwertbezug zu versteuern. tmn