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Sonderveröffentlichung

Würzburg

Nicht jede Faszienrolle ist zum Entspannen gedacht

Faszienrollen kommen – je nach Modell – zum Beispiel zur Entspannung oder auch zur Anregung zum Einsatz. FOTO: CHRISTIN KLOSE, DPA

Hilfe bei Schmerzen und Verspannungen

Facharztpraxis für Neurochirurgie Dr. med. Dipl. Psych. Horst Poimann
Dr. med. Michael Schneider Main, Spessart, Chirurgie
ChiroIntegration Elke Schäffner Heilpraktikerin
Verspannungen lösen, die Beweglichkeit erhöhen, die Koordinationsfähigkeit verbessern und kräftiger werden – das alles sollen Faszienrollen können. Faszien sind das faserige Bindegewebe, das wie ein Netzwerk den ganzen Körper durchzieht. Es umschließt nicht nur alle Muskeln, sondern auch Organe oder Gelenke. Um gesund zu bleiben und nicht zu verkleben, braucht es Bewegung und Stimulation.

Die Faszienrolle kommt dabei vor allem in der Regeneration nach dem Sport zum Einsatz. Paul Reinborn, Physiotherapeut vom Olympiastützpunkt Stuttgart, empfiehlt, sie zwei- oder dreimal pro Woche für fünf Minuten anzuwenden. Faszienrollen gibt es in unterschiedlichen Härtegraden. „Eigentlich braucht man aber nur einen Härtegrad, man kann den Druck ja selbst variieren“, sagt Reinborn. Rollen mit gewellter oder genoppter Oberfläche dienten dagegen nicht der Regeneration, erklärt Kay Bartrow, Physiotherapeut und Buchautor aus Balingen. Im Gegenteil: Sie erzeugten eine Vibration im Gewebe und damit eine größere Tiefenwirkung, die Sportler vor dem Wettkampf nutzten, um ihre Faszien anzuregen.

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Auch Prof. Wilhelm Bloch von der Deutschen Sporthochschule Köln sieht durchaus positive Effekte der Faszienrolle. Allerdings handele es sich meistens um kurzzeitige, sagt der Leiter des Instituts für Kreislaufforschung und Sportmedizin. Er gibt aber zu bedenken, dass die wissenschaftliche Erkenntnislage für Effekte der Faszienrolle „ganz schlecht“ sei. Für die Forschung seien die Veränderungen des Bindegewebes durch die „Blackroll“ noch eine „Black Box“.

Alle Experten empfehlen, sich die Anwendung der Rollen zuerst von einem Fachmann zeigen zu lassen. Es sei wichtig, dass man zum Körper hin rollt, erklärt Bloch. Massiert man also den Oberschenkel, muss man Richtung Rumpf rollen.

Der Grund: Die Venenklappen, die den Blutfluss regulieren, öffnen sich Richtung Gesäß, nicht zum Unterschenkel hin. „Würde man mit Druck Richtung Unterschenkel rollen, würden die Venenklappen über die Jahre kaputtgehen, wenn man immer in die falsche Richtung rollt“, warnt Bloch. Daraus könnte eine venöse Insuffizienz – also etwa Krampfadern – entstehen.

Am besten wissenschaftlich gesichert sei der Entspannungseffekt, sagt Bloch. „Bei Druck werden Spannungssensoren in den Muskeln gereizt und geben eine Rückmeldung an das Rückenmark. Dieses verändert dann den Tonus der Muskulatur, das heißt sie entspannt sich.“ mag

Bewegung kann bei Kniearthrose helfen

Eine Kniearthrose verursacht meist Schmerzen. Trotzdem sollten Betroffene nach Möglichkeit in Bewegung bleiben - denn die ist wichtig für ihre Gelenke. FOTO: CHRISTIN KLOSE, TMN
Eine Kniearthrose verursacht meist Schmerzen. Trotzdem sollten Betroffene nach Möglichkeit in Bewegung bleiben - denn die ist wichtig für ihre Gelenke. 
FOTO: CHRISTIN KLOSE, TMN
Auch wenn es erstmal weh tut: Menschen mit Kniearthrose brauchen Bewegung. Kräftigungs- und Beweglichkeitsübungen könnten Schmerzen lindern, die Gelenke stärken und ihre Funktion verbessern, erläutert das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIG). Ideal seien zwei bis drei Mal pro Woche 45 Minuten. Für Menschen mit Gelenkschmerzen sei es wichtig, ein Training auszusuchen, das Spaß macht.

In ein Fitnessstudio gehen müssen Betroffene dafür nicht unbedingt. Das IQWIG schlägt für zu Hause nach einem kurzen Aufwärmprogramm – zum Beispiel fünf bis zehn Minuten zügiges Gehen – unter anderem diese beiden Übungen für die Beinmuskulatur vor:

- Einen Fuß auf die erste Stufe einer Treppe stellen. Nun den anderen Fuß ebenfalls auf die Stufe heben und gleich wieder auf den Boden senken. Die Übung eine Minute lang ausführen, dann die Seite wechseln.

- Auf einen Stuhl setzen und die Beine im 90-Grad-Winkel leicht gespreizt aufstellen. Die Arme vor der Brust kreuzen und den Oberkörper leicht vorbeugen. Dann langsam aufstehen und wieder hinsetzen. Eine Minute lang durchhalten, kurze Pause, dann die Übungszeit Stück für Stück verlängern.

Am Anfang können bei solchen Übungen leichte Schmerzen auftreten. Auf einer Skala des persönlichen Schmerzempfindens von Null bis Zehn sollten sie aber nicht stärker sein als eine Fünf. Die Schmerzen sollten nicht noch Stunden anhalten und die Gelenke dürfen nicht am Folgetag geschwollen sein. Hilfreich sei es, eine Fachkraft zu fragen, ob man die Übungen richtig ausführt. Der behandelnde Arzt oder Physiotherapeut hilft bei der Wahl des Trainingsprogramms. tmn