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Pakete und Telefonate: Älteren durch die Corona-Zeit helfen

Durch Besuchseinschränkungen können sich Pflegebedürftige und Kranke einsam und isoliert fühlen. FOTO: F. MOLTER, TMN  

Nähe, Zuneigung und Vertrautheit – aufgrund des Coronavirus müssen Menschen, die in Pflege- oder Seniorenheimen leben oder längere Zeit im Krankenhaus liegen, auf einiges verzichten. Umso wichtiger ist, dass die Angehörigen immer wieder Kontakt aufnehmen – wenn es nicht persönlich geht, dann auf anderen Wegen. Denn die Einsamkeit, aber nicht nur die, belastet die Älteren.

Gelten Besuchseinschränkungen, fühlen sich Pflegebedürftige und Kranke momentan mitunter noch einsamer und isolierter als ohnehin schon. Dies kann schlimmstenfalls zu verheerenden gesundheitlichen Folgen führen. „Insbesondere in Bezug auf Depressionen, Angstzustände bis hin zu Suizidversuchen“, sagt Katrin Markus aus dem Vorstand der Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen (BAGSO).

Psychogerontologe Prof. Frieder R. Lang spricht von möglichen Stressreaktionen als Folge, die im weiteren Lebensverlauf belastend wirken können. „Zum Beispiel, kann dies Entzündungsprozesse auslösen und die Abwehrkräfte des Körpers mindern. Man kann dann sogar anfälliger für Erkrankungen werden“, sagt der Forscher der Universität Erlangen-Nürnberg.

Ausgrenzung – auch durch Angehörige

Grund für das erhöhte Stresslevel bei Senioren im Alten- oder Pflegeheim während der Corona-Zeit ist laut Lang jedoch nicht nur Einsamkeit. Die hätten wir alle im Lockdown erlebt. „Das spezifische war die spezielle Ausgrenzung der in Altenheim oder Pflegeeinrichtung wohnenden Menschen. Und gezielte soziale Ausgrenzung macht Menschen krank“, sagt er.

Ruhig öfters zum Hörer greifen: Jeder Anruf ihrer Lieben macht älteren Menschen eine Freude. FOTO: KARL-JOSEF HILDENBRAND, TMN 
Ruhig öfters zum Hörer greifen: Jeder Anruf ihrer Lieben macht älteren Menschen eine Freude. FOTO: KARL-JOSEF HILDENBRAND, TMN 

Zu Beginn der Coronakrise hätten die Einschränkungen alle Menschen gleichermaßen betroffen. „Für die Menschen aber, die in Pflegeeinrichtungen oder Altenheimen lebten, wurden die Kontaktbeschränkungen verschärft“, sagt Lang. Er spricht von „Diskriminierung aufgrund der eigenen Wohnsituation“.

Die Ausgrenzung werde durch die Haltung vieler Angehöriger verschärft. „Sie verbieten ja teilweise ihren Großeltern, sich im sozialen Raum zu bewegen“, erläutert Lang. Es habe also nicht nur von institutioneller Seite eine Andersbehandlung in einzelnen Einrichtungen gegeben, sondern auch von familiärer Seite.

Päckchen mit Naschereien oder Spielen

Auch wenn der Besuch von Oma oder Opa im Pflegeheim oder Mama im Krankenhaus momentan eingeschränkt ist – eine Freude kann man immer machen. „Anrufen, anrufen, anrufen“, sagt Christa Roth-Sackenheim, die Vorsitzende des Berufsverbandes Deutscher Psychiater (BVDP).

Auch Briefe oder Päckchen mit kleinen Naschereien sorgen für Abwechslung im Alltag der Senioren. „Oder lassen Sie der Oma Spiele zukommen (...) und sprechen Sie mit ihr, wie sie damit umgeht, was sie damit gemacht hat“, rät die Expertin.

Auch über Videotelefonie könne man Andere am Leben teilhaben lassen und zusammen singen oder essen, sagt Roth-Sackenheim. tmn


Muskeln ein Leben lang trainieren

Muskeln bauen mit zunehmenden Alter stetig ab. Wer nicht mit Training gegensteuert, verliert an Kraft. Dadurch steigt etwa das Risiko von Stürzen, wie die Deutsche Seniorenliga erklärt. Umgekehrt sorge eine gut trainierte Muskulatur für mehr Selbstständigkeit.

Während Ausdauersportarten wie Walking und Schwimmen gut für das Herz-Kreislauf-System sind, lassen sich die Muskeln mit gezielten Übungen – zum Beispiel mit Hilfe von Fitnessbändern – trainieren. Das Training darf körperlich nicht überfordern und man sollte wissen, wie die Übungen korrekt ausgeführt werden, um sich nicht zu verletzen. Für Einsteiger empfiehlt sich deshalb fachliche Unterstützung.

Training lohne sich immer, betont die Seniorenliga. Muskelzellen könnten sich bis ins hohe Alter erneuern. Neben regelmäßigem Sport sei gesunde Ernährung der zweite Baustein, um den Erhalt oder Aufbau von Muskeln zu fördern.

Die Empfehlungen lauten, kurz zusammengefasst: Weniger Fette und Kohlenhydrate, mehr hochwertiges Eiweiß und genug Omega-3-Fettsäuren. Deshalb sollten zum Beispiel Hülsenfrüchte, fettarme Milchprodukte sowie magere Fleisch- und Fischprodukte auf dem Speiseplan stehen. tmn


Geistige Fitness mit Spielen fördern

Wer ältere Menschen pflegt, sollte deren geistige Fitness stets fördern. Das geht durch kleine Aufgaben im Alltag: Kopfrechnen beim gemeinsamen Einkauf oder das gemeinsame Lesen einer Zeitung beispielsweise. Gesellschaftsspiele sind nach Angaben des Zentrums für Qualität in der Pflege (ZQP) ebenfalls gut geeignet.

Hohes Alter und Hilfsbedürftigkeit schließen es jedenfalls nicht aus, geistige Fähigkeiten zu erhalten oder sogar zu verbessern, betont das ZQP. tmn

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