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Tag des Bieres am 23. April 2021

Ein frisch gezapftes Bier vom Fass – für viele ein Genuss. Leider bleiben auch die lokalen Brauereien wegen des Lockdowns auf einem Großteil der Produktion sitzen. FOTO: RALF HIRSCHBERGER

Am „Tag des Bieres“ besinnen sich Braumeister bis heute des bayerischen Reinheitsgebotes, das am 23. April 1516 erlassen wurde. Sie feiern das älteste, noch immer gültige Verbraucherschutzgesetz. Doch nach feiern ist den Privatbrauereien der Region im zweiten Jahr der Corona-Pandemie nicht zumute. In den Lagern verdirbt das Fassbier, weil Wirtshäuser seit fast einem halben Jahr geschlossen sind und die Biergärten nicht öffnen dürfen. Vom Lockdown haben vor allem die „Fernsehbiere“ profitiert, wie die Brauer die werbestarke Konkurrenz der Konzerne nennen. Die Aussichten am mainfränkischen Bierhimmel sind also alles andere als heiter.

Zum „Tag des Bieres“ haben die Brauereien aus dem Maindreieck zum Pressegespräch geladen. Der lose Zusammenschluss der Ochsenfurter Brauereien Kauzen und Oechsner, Düll aus Gnodstadt, Kesselring aus Marktsteft, Wolf aus Rüdenhausen und Düll aus Krautheim zeigt die Verbundenheit, mit der sich die Brauer begegnen. Sie eint das Ziel, sich mit Qualität und Regionalität gegen die Beliebigkeit von Industrie- und Billigbieren zu behaupten.

2020 hat die Pandemie den Brauereien das Frühjahrsgeschäft verdorben. Doch wenigstens der lange Sommer habe einiges wieder wettgemacht. „Das Jahr war nicht gut“, sagt Peter-Michael Himmel, Chef der Marktstefter Kesselring-Brauerei, „doch im Vergleich zu dem, was sich 2021 anbahnt, muss ich das in neuem Licht betrachten.“ Auf fünf Prozent beziffert Karl-Heinz Pritzl, Seniorchef der Kauzen-Bräu, den Einbruch beim bayerischen Bierausstoß. Die mainfränkischen Brauereien mit ihrer engen Verbindung zur Gastronomie lägen wohl eher darüber. „Der Handel hat leicht zugelegt, aber lange nicht das, was die Gastronomie verloren hat“, sagt Dietrich Oechsner.

Besonders sorgen sich die Brauereien um die Wirtsfamilien, zu denen sie ein mitunter jahrzehntelanges Verhältnis haben. Die Schließung der Gastronomie, sei unverhältnismäßig und unfair, so ihr gleichlautendes Urteil. Martin Rank, Küchenchef und Braumeister im Gnodstadter Gasthaus Düll, und Karl Wolf von der gleichnamigen Brauerei in Rüdenhausen mit angeschlossenem Wirtshaus, kennen beide Perspektiven genau. Zwar werde das Speisenangebot „to go“ vor allem an den Wochenenden sehr rege in Anspruch genommen, das reiche aber bei weitem nicht aus, um die Verluste aus dem Wirtshausbetrieb auszugleichen, sagt Martin Rank.

Es wird eine Leben nach der Pandemie geben. Wie viele Brauereien überleben werden, sei allerdings ungewiss. Ermutigend sei dabei, dass die Biergeniesser inzwischen lieber zu regionalen Produkten greifen, sagt Peter Michael Himmel. „Die Spezialbiere sind eindeutig auf dem Vormarsch“, urteilt auch Martin Rank, „das Bier darf wieder individuell schmecken.“ meg

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