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Sonderveröffentlichung

Würzburg

Prothesen halten länger als gedacht

Künstliche Kniegelenke müssen oft nach zehn bis 15 Jahren ausgetauscht werden. FOTO: FLORIAN SCHUH/TMN

Künstliche Hüft- und Kniegelenke leisten sehr viel länger ihren Dienst, als man bislang dachte: acht von zehn Knieprothesen und sechs von zehn Hüftprothesen haben heute eine Haltbarkeit von mindestens 25 Jahren.

Diese Daten veröffentlichten britische Forscher der Universität Bristol 2019 in der Fachzeitschrift „Lancet“. Die Zahlen dokumentierten den herausragenden Erfolg der orthopädischen Chirurgie, so die AE (Deutsche Gesellschaft für Endoprothetik). Zudem sind in den vergangenen Jahren Implantatmaterialien, Implantatdesigns als auch OP-Techniken permanent weiter verbessert worden.

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Dennoch könne man nicht davon ausgehen, dass dadurch auch die Standzeit der jetzt implantierten Prothesen automatisch weiter verlängert werde, sagt die AE. Ein Grund: Die Patienten seien heute deutlich aktiver als früher und beanspruchten die Kunstgelenke dadurch stärker.

Zur Analyse der Standzeit von künstlichen Hüft- und Kniegelenken haben die Forscher Daten aus Patientenregistern aus Australien, Finnland, Dänemark, Neuseeland, Norwegen und Schweden mit mindestens 15 Jahren Nachbeobachtung ausgewertet. Insgesamt lagen Studiendaten von über 500 000 Patienten zugrunde.

Bei den Hüftprothesen waren nach 15 Jahren 89 Prozent der Implantate, nach 20 Jahren 70 Prozent und nach 25 Jahren 58 Prozent der implantierten Prothesen intakt. Die Ergebnisse bei den künstlichen Kniegelenken waren noch besser: Nach 15 Jahren waren noch 93 Prozent der Knietotal-Endoprothesen implantiert, nach 20 Jahren 90 Prozent und nach 25 Jahren 82 Prozent. Professor Karl-Dieter Heller, Vize-Präsident der AE: „Endoprothetik ist eine der erfolgreichsten Operationen überhaupt. Sie gibt den Patienten Mobilität und Lebensqualität für viele Jahre zurück.“

Seit dem Beobachtungsbeginn vor 25 Jahren habe sich viel getan: „Aus heutiger Sicht sind die damals eingebauten Prothesen, insbesondere im Bereich der Knie-Endoprothetik, deutlich verbessert worden“, so Heller. Eine weitere Verbesserung der Prothesenstandzeit sei hier kaum noch denkbar. Es zeige aber auch, dass schon damals gute Standards gesetzt wurden.

„Mittlerweile haben wir die Materialien an Hüfte und Knie weiterentwickelt – etwa ein deutlich abriebfesteres Polyethylen, bessere Keramiken und optimierte Prothesen. Dies gilt auch für die OP-Techniken, beispielsweise zur idealen Ausrichtung der Implantate im Knochen.“

Demgegenüber stehen gestiegene Ansprüche der Patienten. „Heute möchten viele wie vor der Arthrose Sport treiben – und tun dies auch“, stellt Professor Heller, Chefarzt der Orthopädischen Klinik am Herzogin-Elisabeth-Hospital in Braunschweig, fest. „Die heute 70Jährigen sind die 50-Jährigen von früher“, spitzt er zu.

Tatsächlich erlauben etwa moderne Materialpaarungen bei den Kunstgelenken einen aktiveren Lebenswandel als früher. Der Grund: sie erzeugen bei Belastung deutlich weniger Abriebpartikel.

Patienten sollten bei der Auswahl der Klinik darauf achten, dass Operationsstandards eingehalten werden und ausreichend Expertise vorhanden sei. Dies sei zum Beispiel in den etwa 550 Kliniken mit einem Endo-Cert-Zertifikat der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC) gegeben. AE