Röntgen, MRT und Co: Sichtbar machen, was von außen nicht sichtbar ist Image 1
Anzeige

Röntgen, MRT und Co: Sichtbar machen, was von außen nicht sichtbar ist

Die Magnetresonanztomographie (MRT) nutzt elektromagnetische Felder und Radiowellen. Für den Patienten ist das ungefährlich. FOTO: MARIJAN MURAT, TMN

Radiologie

Aus der Medizin sind bildgebende Verfahren wie Röntgen, CT oder Ultraschall nicht wegzudenken. Sie machen sichtbar, was von außen für Ärztinnen und Ärzte nicht zu sehen ist. Bänderrisse, Tumore oder der Zustand bestimmter Gefäße zum Beispiel. Doch es gibt unter Patienten immer wieder auch Vorbehalte gegen die Verfahren, vor allem wegen möglicher Strahlenbelastung.

„Die Röntgenaufnahmen dürften das bekannteste bildgebende Verfahren sein“, sagt der Radiologe Prof. Jörg Barkhausen. Er ist Direktor der Klinik für Radiologie und Nuklearmedizin am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein am Campus Lübeck. Es ist die Technik, mit der 1895 erstmals Strukturen im Körperinneren sichtbar gemacht wurden. Auch heute spielt sie eine wichtige Rolle, etwa bei der Diagnostik von Knochenbrüchen.

Eine Weiterentwicklung des Röntgens ist die Computertomographie (CT), die Objekte durch Schichtaufnahmen auch dreidimensional darstellen kann. Verbreitet sind zudem der Ultraschall (Sonographie) und die Magnetresonanztomographie (MRT). Diese beiden kommen ohne Strahlenbelastung für den Patienten aus.

Radiologie am Berliner Platz

Eine Abwägungsfrage

Heute können Radiologen für jede Patientin und jeden Patienten das für die Diagnose optimale Verfahren auswählen. „Das schließt neben der medizinischen Fragestellung natürlich auch Ängste und besondere Bedürfnisse mit ein“, sagt Barkhausen. Früher waren MRTs zum Beispiel wegen ihrer starken Magnetfelder bei Patienten mit Herzschrittmachern generell nicht möglich. Heutzutage gibt es dafür geeignete Schrittmachermodelle.

„Bei Kindern und Schwangeren wird besonders streng abgewogen, ob Verfahren auf Basis von Röntgentechnik ersetzt werden können“, führt Barkhausen aus. Generell werde aber bei allen Patienten geprüft, ob Strahlung vermieden kann. Die Radiologie arbeitet mit unterschiedlichen Arten von Wellen. „So sehen wir die unterschiedlichen Kontraste im Bild“, erläutert Prof. Heinz-Peter Schlemmer, Direktor der Abteilung Radiologie am Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg. Beim Ultraschall sind es Schallwellen, das MRT funktioniert mit elektromagnetischen Feldern und Radiowellen. „Beides ist für die Patienten ungefährlich.“

Bei der Nuklearmedizin und beim Röntgen dagegen wird mit hochenergetischen elektromagnetischen Wellen gearbeitet, die mit Elektronen in Wechselwirkung treten.

Abwägung von Nutzen und Risiko

Dadurch entstehen chemische Nebenwirkungen, die zu genetischen Veränderungen führen können. „Hier hat man ein Krebsrisiko“, sagt Schlemmer.

Der Radiologe plädiert dafür, stets Nutzen und Risiko abzuwägen. Denn ab wann die Strahlung gefährlich wird, kann man pauschal nicht sagen. Und der Patient spürt nichts davon. „Wir haben dafür keine Sensoren“, sagt Schlemmer. „Aber genau das kann Angst machen.“ Trotzdem braucht man diese Verfahren in der Medizin. „Je nach Einsatzgebiet erlauben sie beispielsweise eine rasche Behandlung bei Notfällen, indem man etwa innere Blutungen mittels CT zuverlässig erkennen kann“, sagt Jörg Barkhausen.

Insbesondere in der Onkologie, also der Behandlung von Krebserkrankungen, erlauben solche Verfahren eine sichere und schnelle Beurteilung der Tumorgröße. „Sie sind deswegen unverzichtbar zur Therapiesteuerung und Erfolgskontrolle.“ tmn

Radiologie Schweinfurt

Brustkrebs rechtzeitig erkennen

Rund jede neunte Frau erkrankt in ihrem Leben an Brustkrebs, in Deutschland sind es jedes Jahr knapp 70000. Zwischen 17000 und 19000 Frauen sterben hierzulande jährlich an der Erkrankung. „Die Chance, dass eine Frau ihren Brustkrebs überlebt, ist heute also sehr hoch“, ordnet der Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte, Christian Albring, ein. „Aber die Überlebensrate wäre höher, wenn statt wie jetzt 50 Prozent aller Frauen 100 Prozent die Früherkennungschance wahrnähmen.“

Die Mammographie, also die Röntgenuntersuchung der Brust, wird von den gesetzlichen Krankenkassen für Frauen zwischen 50 und 69 Jahren alle zwei Jahre bezahlt. Waren bereits nahe Familienangehörige wie die eigene Mutter, Großmutter oder Schwestern an Brust- oder Eierstockkrebs erkrankt, können andere und engmaschigere Untersuchungen empfehlenswert sein - hier sollte man sich ärztlich beraten lassen.

Seit Einführung dieses Früherkennungsprogramms ist die Rate der Erkrankungen, die erst in einem fortgeschrittenen Stadium entdeckt werden, spürbar gesunken. Die Strahlenbelastung muss den Frauen kaum mehr Sorgen machen. Diese wird durch die modernen Geräte und Techniken immer weiter reduziert. Echte Alternativen zur Mammographie gibt es noch nicht. Sie lasse sich bisher durch kein anderes Untersuchungsverfahren ersetzen, so die Leiterin des Krebsinformationsdienstes des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ), Susanne Weg-Remers. „Aber die Magnetresonanztomographie und die Sonographie sind als ergänzende Untersuchungen wichtig.“ Ein neuer Ansatz ist die Computertomographie (CT) der Brust, auch Mamma-CT genannt: Diese Diagnostik sei erst seit wenigen Monaten im Patienteneinsatz, sagt Karsten Ridder, Facharzt für Radiologie in Dortmund.

Privatkassen übernehmen die Kosten häufig, gesetzlich Versicherte müssen in der Regel selbst zahlen. Der Brust-CT liefere hochauflösende, überlagerungsfreie 3D-Bilder bei äußerst geringem Strahleneinsatz. tmn


Keine Angst vor einem MRT

Die Ankündigung einer Magnetresonanztomografie (MRT) versetzt viele Patienten in Panik. Doch viele Sorgen sind unbegründet.

„Die Ängste vor dem MRT haben viele Aspekte“, sagt Professorin Birgit Ertl-Wagner, Radiologin am Uniklinikum München- Großhadern. Manchen Patienten ist mulmig, weil sie noch nie eine solche Untersuchung hatten. Andere leiden unter Ängsten vor der Enge in der Röhre. Dazu kommen der Lärm, den die Geräte machen, sowie Furcht vor Kontrastmitteln, die mitunter vorab gespritzt werden. Was viele nicht wissen: Die engen und dunklen Röhren werden heute kaum noch verwendet. Moderne MRT-Systeme sind geräumiger, hell beleuchtet, auf beiden Seiten offen und deutlich leiser.

„Das Rattern ist völlig normal und soll auch so sein“, sagt Radiologin Ertl-Wagner. Aber die Patienten können über Kopfhörer Musik oder Hörspielen lauschen. Über eine Gegensprechanlage stehen sie ständig mit dem Arzt in Kontakt – und mit einem Klingelknopf in der Hand können sie jederzeit Hilfe rufen. Wer einmal in der Röhre war, hat beim nächsten Mal meist kein Problem mehr damit, wie Ertl-Wagner berichtet: „Nach der Untersuchung sagen viele Patienten: Ach, so schlimm war es doch nicht.“ tmn

Weitere Themen