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Schweinfurt

So finden Betroffene die richtige Fachklinik für ein neues Hüft- oder Kniegelenk

Bei der Auswahl einer Klinik für eine Knie- oder Hüftgelenk- OP sollten Patienten darauf achten, wie viele Eingriffe dieser Art dort durchgeführt werden. FOTO: FLORIAN SCHUH, TMN

Jährlich werden in Deutschland mehr als 400.000 künstliche Hüft- und Kniegelenke implantiert. Um ein bestmögliches Operationsergebnis zu erhalten, lohne es sich, vorab sorgfältig eine qualifizierte Fachklinik zu recherchieren, empfiehlt die AE – Deutsche Gesellschaft für Endoprothetik. Für eine hohe Behandlungsqualität sei primär nicht die Größe der Klinik entscheidend. Vielmehr komme es darauf an, dass die Einrichtung in allen Behandlungsschritten über die nötige Expertise verfüge, etwa bei der korrekten Indikationsstellung. Auch die Abläufe – von der Vorbereitung über die OP bis zur Nachbehandlung – sollten standardisiert sein.

Die Fachgesellschaft rät, sich die Zahlen der insgesamt durchgeführten Hüftund Knie-OPs sowie die Operationszahlen der einzelnen Ärzte anzusehen. Hier spricht sie sich für mindestens 50 Eingriffe des jeweiligen Operateurs pro Jahr aus. Sicherheit geben auch die freiwillige Teilnahme der Einrichtung am Endoprothesenregister Deutschland (EPRD) sowie das EndoCert-Qualitätssiegel, verbunden mit einer persönlichen Mitgliedschaft in der AE.

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Woher wissen Patienten und Angehörige, welche Klinik die nötige Erfahrung und Expertise hat? „Nicht immer ist es die nächstgelegene oder die größte Einrichtung“, sagt Professor Dr. med. Karl-Dieter Heller, AE-Vizepräsident aus Braunschweig und Chefarzt der Orthopädischen Klinik am Herzogin Elisabeth Hospital in Braunschweig. Er gibt folgende Tipps für die Klinikwahl: „Schauen Sie sich die Fallzahlen der Einrichtungen an, also wie viele Prothesen dort pro Jahr implantiert werden. Diese Angaben finden Sie im öffentlich zugänglichen Qualitätsbericht des Krankenhauses“, so der Orthopäde und Unfallchirurg.

Eine Zahl von mindestens 300 spreche für viel Expertise: „Dann sind die Abläufe optimiert, die Hygienestandards haben sich bewährt und man kann Kompetenz bei der korrekten Indikationsstellung und Implantation voraussetzen.“ Des Weiteren sei gewährleistet, dass Prothesen aller Größen sowie bewährte Modelle zur Auswahl ständig vorgehalten werden, ebenso wie Instrumente, um jedweder Situation im OP Herr zu werden. „So kann individuell auf jeden Patienten bestmöglich eingegangen werden, gleich ob etwa weiblich, zierlich und an Osteoporose leidend oder männlich, groß, schwer, sportlich“, nennt er zwei Beispiele.

Doch die Gesamtfallzahl einer Klinik ist nur bedingt aussagekräftig. Darüber hinaus sollten Patienten auch überprüfen, wie viele Eingriffe der jeweilige Operateur im Jahr durchführt. Mindestens 50 pro künstlichem Hüft- oder Kniegelenk sollten es sein, sagt Professor Dr. med. Carsten Perka, Generalsekretär der AE und Ärztlicher Direktor des Centrums für Muskuloskelettale Chirurgie, Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie an der Charite´ Berlin. „Sonst besteht das Risiko, dass der betreuende Arzt nicht über die notwendige Erfahrung verfügt.“

Doch letztendlich sei eine Operation immer auch Vertrauenssache. Deshalb gelte es abschließend zu prüfen: „Fühle ich mich als Patient ernst genommen, sind wirklich alle chirurgischen und nichtchirurgischen Alternativen ausgeschöpft und bin ich in die Entscheidungsfindung ausdrücklich eingebunden?“, betont Professor Dr. med. Rudolf Ascherl, Präsident der AE und Direktor der Klinik für spezielle Chirurgie und Endoprothetik am Krankenhaus in Tirschenreuth. Dann stünde einem erfolgreichen Eingriff nichts mehr im Weg. AE

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Erfahrung senkt Komplikationsrate

Kliniken, die viele künstliche Hüft- und Kniegelenke implantieren, weisen tendenziell bessere Operationsergebnisse auf als Einrichtungen, die wenige Eingriffe durchführen.

Erfahrung und Routine von Operateur und Klinik haben also einen positiven Einfluss auf das Ergebnis. „Tendenziell zeigt sich, dass je häufiger in einem Krankenhaus endoprothetische Eingriffe an Hüft- und Kniegelenk durchgeführt werden, desto niedriger im Allgemeinen auch die Ausfallwahrscheinlichkeiten sind“, sagt Professor Carsten Perka, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Endoprothetik (AE).

Besonders deutlich wird dies beim Teilersatz des Kniegelenks, der sogenannten unikondylären Knie-Endoprothese. Perka: „In Krankenhäusern, die diese Eingriffe nur selten durchführen, ist die Ausfallwahrscheinlichkeit drei Jahre nach der Erstimplantation doppelt so hoch wie bei denen, für die dieser Eingriff fast schon den Regelfall darstellt.“ AE