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Sonderveröffentlichung

Schweinfurt

So verläuft eine Spiegelung

Die Koloskop-Kamera überträgt die Darmspiegelung auf den Monitor. FOTO: PATRICK PLEUL, MAG


lnternistisches Zentrum Hofheim - Dr. med. Sabine Leucht, Dr. med. Thomas Leucht
Gemeinschaftspraxis Dr. med. R. Meininger
Dr. med. Walter Barina, Dr. med. Holger Reh
Eine Darmspiegelung steht an. Der Patient liegt in bequemer Seitenlage auf einer Untersuchungsliege. Neben ihm steht der Arzt, in der Hand einen etwa anderthalb Meter langen flexiblen Schlauch von etwa einem Zentimeter Durchmesser: das Koloskop. An dessen Ende befindet sich neben einer Lichtquelle eine winzige Videokamera. Der Arzt schiebt es behutsam in den After des Patienten ein und bis zum Übergang zwischen Dick- und Dünndarm vor. 

Wird es langsam wieder herausgezogen, betrachtet der Arzt per Monitor die Darmwand des Patienten. Dieser spürt von der etwa 20-minütigen Untersuchung nichts – er hat vorher ein leichtes Narkosemittel bekommen und schläft. Entdeckt der Mediziner Polypen – knotige Auswucherungen auf der Darmschleimhaut – kann er sie gleich entfernen.
        
Das ist wichtig, „weil aus den oft gutartigen Gebilden mit der Zeit bösartige Tumore werden können und der Patient somit Darmkrebs hat“, erläutert Professor Thomas Seufferlein vom Uni-Klinikum Ulm.

Voraussetzung für die Spiegelung: „Der Darm muss absolut sauber sein“, so Seufferlein. Dafür muss sich der Patient drei bis sieben Tage vor der Untersuchung strikt an die vorgegebenen Ernährungsregeln halten.

Vollkorn vor der Untersuchung tabu

Was Körner, Kerne und Schalen enthält, darf nicht gegessen werden. „Sie blockieren den Arbeitskanal und erschweren so die Untersuchung“, erklärt Professor Alexander Meining von der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS). Tabu sind Vollkornprodukte, Mohn, Sesam, Trauben, Tomaten und Kiwis.

Am Tag vor der Spiegelung muss der Patient seinen Darm reinigen. Nach einem leichten Frühstück und gegebenenfalls einem leichten Mittagessen darf er nur noch Tee, Wasser, klare Fruchtsäfte oder Brühe zu sich nehmen. Wichtig ist, viel zu trinken, weil dadurch der Darm gut durchgespült wird.

Der unangenehmste Teil: Am Nachmittag oder Abend vor der ambulanten Untersuchung werden ein bis zwei Liter einer abführenden Lösung getrunken. Diese steht auch am Untersuchungstag noch einmal an. Mögliche Risiken: Es kann zu leichten Blutungen im Darm kommen – oder die Darmwand ist beschädigt.

Oft wird der Darm vorher mit Luft aufgeweitet, vorübergehend sind leichte Schmerzen oder Blähungen möglich. Etwa eine halbe Stunde nach der Spiegelung darf der Patient wieder etwas essen.

Die Krankenkassen zahlen die Untersuchung bei Beschwerden oder Krankheitsverdacht – und im Rahmen der Vorsorge. mag

Bei Älteren nehmen die Erkrankungsraten ab

Darmkrebsvorsorge wirkt, das belegen auch Statistiken des Robert Koch-Instituts (RKI). Die Experten beobachten, dass die Erkrankungsraten abhängig vom Alter seit 2003 sinken.

Von 2002 bis 2014 ging die Zahl der Neuerkrankungen in der Altersgruppe 50 bis 74 Jahre um 17 Prozent zurück. Von 2015 auf 2016 sank die Rate der Neuerkrankungen ebenfalls: 2015 registrierte das RKI 59 740 neu an Darmkrebs erkrankte Patienten, 2016 waren es 55 400.

Der Einstieg in die Darmkrebsvorsorge erfolgt mittels eines immunologischen Stuhltests. Seit 2019 werden Versicherte hierzulande mit einem persönlichen Anschreiben zum Stuhltest eingeladen. Fachleute hoffen, so mehr Menschen zur Teilnahme zu motivieren.

Als Goldstandard der Darmkrebsvorsorge gilt nach wie vor die Darmspiegelung. Sie steht allen männlichen Versicherten in Deutschland ab 50 Jahren und allen weiblichen Versicherten ab 55 Jahren zu. Nach Berechnungen von Medizinern kann die konsequente Teilnahme an der Darmspiegelung die Zahl der jährlichen Darmkrebserkrankungen langfristig um mehr als ein Viertel senken.

Experten setzen sich zudem dafür ein, mit der Darmspiegelung schon deutlich früher zu beginnen. Dafür spricht, dass Hochrechnungen zufolge die Zahl der Darmkrebs-Neuerkrankungen bei Jüngeren zunimmt. Zwischen 2002 und 2014 lag dieser Anstieg bei Menschen von 25 bis 49 Jahren bei 11 Prozent.

Sie haben nur bei besonderen familiären Risiken oder bei bestimmten Vorerkrankungen einen Anspruch auf bezahlte Früherkennung, sodass Darmkrebs bei ihnen häufig erst in einem fortgeschrittenen Stadium festgestellt wird. Forscher plädieren daher dafür, das Darmkrebs-Screening schon ab 45 Jahren zu starten. ipf

Weitere Informationen auf www.vorsorge-online.de