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Haßberge

Straßen-Kirchweih und Werbewoche fallen in diesem Jahr dem Corona-Virus zum Opfer

Auf eine Fahrt mit dem Autoscooter müssen die Besucher der Kirchweih dieses Jahr verzichten. FOTO: MARTIN SCHWEIGER


Die Werbewoche mit Kirchweihwochenende sind seit Jahrzehnten ein Highlight nicht nur für die Hofheimer Geschäftswelt, sondern auch für viele Bürger. Legendär sind Veranstaltungen wie das Bobbycar-Rennen, die Modeschauen, die Bambini-Läufe durch die Hauptstraße oder der Flohmarkt am Samstag, zu dem auch viele ehemalige Hofheimer in ihre Heimatstadt zurückkommen, um sich mit alten Bekannten zu treffen und Erinnerungen wach zu halten.

Traditionen bewahren - Hofheimer Werbewoche

Doch in diesem Jahr ist alles anders. Erstmals seit ihrem Bestehen fallen sowohl Werbewoche als auch Straßen-Kirchweih dem Corona-Virus zum Opfer und müssen beide ersatzlos ausfallen. „Uns sind die Hände gebunden“, sagt Hofheims Zweiter Bürgermeister Reinhold Giebfried. „Das Landratsamt hat sich mit den 26 Kommunen des Landkreises darauf geeinigt bis Ende Oktober alle Großveranstaltungen abzusagen“, begründet Giebfried die Haltung der Stadt. Dies sei natürlich besonders ärgerlich, da die Hofheimer Stadtpfarrkirche St. Johannes in diesem Jahr 500 Jahre alt wird. „Wir können uns alle nicht vorstellen, wie eine Kirchweih oder ein Jahrmarkt, wie wir sie bisher kannten, stattfinden sollen. Auch später im Jahr wird dies wahrscheinlich nicht möglich sein. Dennoch ist es schwierig, zum jetzigen Zeitpunkt eine Aussage für das komplette Jahr zu treffen“, schreibt Landrat Wilhelm Schneider in einer Pressemitteilung vom 7. August.

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Für das Aufstellen von Kirchweihbäumen gelten die Regelungen, die auch schon für die Maibaumaufstellung gültig waren: das Aufstellen der Bäume mit begrenzter Teilnehmerzahl ist zulässig. Sonstige Veranstaltungen um das Aufstellen herum sind nicht erlaubt.

Marinus Leicht, Erster Vorsitzender des Hofheimer Werberings, bedauert, dass die beiden Veranstaltungen abgesagt werden müssen. „Das Risiko ist zu hoch. Hygienemaßnahmen und Abstandsregeln lassen sich bei derartigen Veranstaltungen nicht einhalten“, meint er. Auch ein Ersatzprogramm beispielsweise durch einzelne Vereine wie den Spielmannszug oder den Hofheimer Sportverein sei keine Option. „Kein Verein will sich diesen Stiefel anziehen, denn es drohen drakonische Strafen bei Verletzung der Regeln“, ist Leicht überzeugt. Auch der Herbstmarkt sowie die verkaufsoffenen Sonntage würden wohl in diesem Jahr ins Wasser fallen, meint er.

„Es macht keinen Sinn, mit Biegen und Brechen eine Veranstaltung auf die Beine zu stellen“, ist auch Rene Tierno, Inhaber der Eisdiele „Dolomiti“ in der Hauptstraße, überzeugt. Bei einem Ersatzprogramm müssten die veranstaltenden Vereine selbst haften, was sie natürlich nicht können und wollen. Freilich bedeute der Wegfall der Veranstaltungen eine Umsatzeinbuße für Vereine und Geschäftswelt. Aber: „Wir müssen nun im Werbering Kräfte bündeln und Ideen für das nächste Jahr entwickeln, damit Werbewoche und Kirchweih im Jahr 2021 umso besser und schöner werden“, meint Tierno. Er selbst sei mit seinem Geschäft mit einem blauen Auge durch den Sommer gekommen, da er mit wenig Personaleinsatz viel selbst erledigt habe.

„Die Gesundheit steht über allem“, sagt Kai Steinmetz, Zweiter Werberingvorsitzender und Inhaber der Bar „Trick 7“. Aus Verantwortung gegenüber den Mitmenschen könne man es nicht riskieren, die Werbewoche durchzuführen.

Einen, den der Ausfall der beiden Veranstaltungen besonders trifft, ist der Hofheimer Fanfaren- und Spielmannszug, der schon seit Jahren Durst und Hunger der Gäste stillt. „Unsere Einnahmen basieren auf der Kirchweih“, sagt Bernd Werner, der Erste Vorsitzende des Vereins. Erst vor kurzem habe der Verein Uniformen für den Nachwuchs für mehrere Tausend Euro angeschafft, die man nun aus den Rücklagen finanzieren müsse. Auch der laufende Betrieb verursache Kosten. So würde beispielsweise der Unterricht für den musikalischen Nachwuchs vom Verein bezuschusst. Auch das Vereinsleben sei schwierig aufrechtzuerhalten. Die Bindung der Mitglieder an den Verein werde schwächer, weil gemeinsame Aktivitäten fehlen. „Wir hatten seit dem Fasching keinen einzigen Auftritt mehr“, sagt Werner. Mit gemeinsamen Aktivitäten, wie Wanderungen oder einem Jugendausflug in einen Freizeitpark, versuche man, das Vereinsleben am Laufen zu halten. Proben durchzuführen sei bei 50 Spielleuten schwierig. Deshalb würden nur die einzelnen „Register“, wie Fanfaren-, Flötenspieler oder Trommler, getrennt voneinander proben, um die Abstandsregeln einhalten zu können. Geplante Auftritte bei dem Erntedankfestzug in Fürth oder dem Theresienfest im Oktober in Hildburghausen würden auch wegfallen. Die Weihnachtsfeier stehe in den Sternen. Sein Fazit: „Wir hoffen auf das nächste Jahr“ - nicht nur er. (msch)