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Sonderveröffentlichung

Haßberge

Einst unter dem Schutz der Wachburg „Tharissa“

Die Kirche St. Kilian in Untertheres wurde unter Abt Gregor II Fuchs (1715-1755) vom Kloster Theres von 1728 bis 1730 an der Stelle eines älteren Gotteshauses errichtet. Links im Bild das alte Rathaus. FOTO: ULRIKE LANGER


Ingenierbüro Markus Hahn
Gaststätte Hubertus
Untertheres, nördlich des Mains gelegen, gehört seit 1978 zur Gemeinde Theres. Die Unterscheidung zwischen Ober- und Untertheres hat sich vermutlich schon in der Stauferzeit herausgebildet, da 1240 in einem Besitzstreit von „Niedertheres“ die Rede ist. In einer Urkunde von 1240 werden erstmals Bürger von Untertheres und Obertheres erwähnt. Untertheres hat heute 820 Einwohner, davon 33 mit Nebenwohnsitz.

Die Frühsiedlung von Untertheres stand schon unter dem Schutz der Wachburg „Tharissa“, in der urkundlich niedergelegten Grenzbeschreibung Ostfrankens von 889 als Besitztum des fränkischen Adelsgeschlechtes der Babenberger genannt. 1094 gab es immer noch ein einziges „Tharissa“ (Theres). In der Stauferzeit dürfte sich die Unterscheidung der beiden Orte Ober- und Unter-(Nieder-)theres gebildet haben, denn in einem Besitzstreit zwischen dem Kloster Theres und der Gemeinde Niederntheres am 29.03.1240 wurde zugunsten des Klosters entschieden. Seit 1348 wird offiziell zwischen Ober- und Untertheres unterschieden.
     
Prachtvoll ist das Innere der Kirche St. Kilian in Untertheres ausgestattet. FOTO: ULRIKE LANGER
Prachtvoll ist das Innere der Kirche St. Kilian in Untertheres ausgestattet. FOTO: ULRIKE LANGER
Während der Jahrhunderte gab es immer wieder Querelen zwischen den Bistümern Bamberg und Würzburg um das Kloster Theres und seine Dörfer, zu denen Untertheres zählte. Erst 1688 erlangte das Bistum Würzburg die Oberherrschaft. Desweiteren hatte es zu Beginn des 17. Jahrhunderts Streitigkeiten zwischen Untertheres und dem Kloster um den Grenzverlauf und die Nutzung der Mainwiesen gegeben, bei dem schließlich das Kloster siegte. Von dessen reger Bautätigkeit zu Beginn des 18. Jahrhunderts unter Abt Gregor II Fuchs (1715-1755) profitierte auch Untertheres. Denn der Abt ließ von 1728 bis 1730 an der Stelle eines älteren Gotteshauses die katholische Pfarrkirche St. Kilian errichten, eine Saalkirche mit eingezogenem Chor.

Das 1718 neu geschaffene Klosterwappen mit Adler und Raute neben dem Fuchs als Wappentier befindet sich im Dreiecksgiebel über dem Eingangsportals. Der bildhauerische Schmuck der Fassade und die drei mächtigen Figuren des Christus Salvator sowie der Apostel Petrus und Paulus stammen aus der Werkstatt des Klosterbildhauers Thomas Wagner (1691- 1769). Er wurde auch für die Innenausstattung der neuen Kirche gewonnen. So hat er die wunderschöne Kanzel (1730) und die Seitenaltäre errichtet. Sie waren auf den ursprünglichen Hochaltar abgestimmt, für den Wagner eine prachtvolle Kreuzigungsgruppe schuf, die heute an der Ostwand des Langhauses der Kirche angebracht ist. Während der Altarsäulenaufbau von Thomas Wagner entworfen wurde, stammen der grandiose Tabernakel und der Altaraufsatz ebenso wie die vier überlebensgroßen Esterbauer-Figuren aus der Oberthereser Abteikirche. Der Würzburger Hofbildhauer Balthasar Esterbauer/1672 – 1728) ist einer der großen fränkischen Barockbildhauer. Aus Obertheres stammt auch das reich verzierte Orgelgehäuse von Johann Thomas Wagner. Die älteste Kostbarkeit ist ein spätgotisches Kruzifix (um 1520) aus der Vorgängerkirche, das in der Sakristei steht. (ger)