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Sonderveröffentlichung

Rhön-Grabfeld

Weihnachtsbräuche: Messen, Gaukeleien und die Bescherung

Zunächst wurde das christliche Fest nur in der Kirche gefeiert. FOTO: ALEXHSTOCK, GETTY IMAGES


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Kaum ein Festtag ist so von Ritualen geprägt wie der Heilige Abend. Familien-Wohnzimmer und Heiligabend – ein Gespann, das zusammen gehört. Das war nicht immer so. Seinen Anfang nahm Weihnachten – wie es sich für ein christliches Fest gehört – in der Kirche. Drei Messen müssten es sein, um die Geburt des Herrn angemessen zu begehen, stellte Papst Gregor I. im 6. Jahrhundert fest. Eine Pein fürs geplagte Volk, denn die meisten konnten weder lesen, noch Latein verstehen. Ab dem 11. Jahrhundert sann man deshalb auf Unterhaltsameres. Krippenspiele kamen auf, es wurde gesungen und musiziert – auch auf den Straßen. Die Krippenspiele endeten nicht selten in wilden Maskenumzügen. In den Wirtshäusern stimmte sich die Gemeinde mit reichlich Bier und Schnaps auf den Kirchgang ein.

In evangelischen Gegenden versuchte man, die Ausschreitungen durch ein Vorverlegen des Gottesdienstes in den Griff zu bekommen. Der preußische König ließ im Jahr 1711 gar die Kirchenoberen und das Volk wissen: „Da auf dem Christabend viel Gaukeley, Kinder- Spiel und Tumult getrieben wird, befehlen wir euch hiermit, die Christmette nicht des Abends, sondern des Nachmittags um 3 Uhr zu halten.“ Auch die Katholiken nahmen die Exzesse des Christabends ins Visier. Doch das Volk ließ sich davon nicht beeindrucken – und verlegte die geächteten weihnachtlichen Bräuche kurzerhand in die häuslichen Wohnzimmer. Die Exzesse wurden weniger, denn die Menschen fanden mehr und mehr Gefallen an häuslicher Besinnlichkeit.

Dies sah auch die Kirche mit Wohlwollen und lockerte die Bestimmungen. Die Christmette musste nun nicht mehr um Mitternacht oder in den frühen Morgenstunden stattfinden. Ihr Beginn wurde im Laufe der Zeit mehr und mehr nach vorn verlagert. Längst finden in verschiedenen Gemeinden Christmetten ab 18 Uhr statt – Kinderchristmetten sogar noch früher.

Der Beginn des Weihnachtsfestes am Heiligen Abend geht auf die Reformation zurück. Luther propagierte das allgemeine Priestertum aller Gläubigen. Der Familienvater diente als Hauspriester, der die Seinen zum Gebet anleitete und im Katechismus unterwies. Er las aus der Schrift und legte diese sogar aus. Eine Hausandacht am Heiligen Abend sollte evangelische Familien aufs Christfest einstimmen. Mit der Zeit übernahmen auch Katholiken diesen Brauch. Das Vorlesen des Weihnachtsevangeliums, das gemeinsame Singen, Beten und Aufsagen von Gedichten läuteten den Heiligen Abend ein.

Die Bescherung fand nicht immer am 24. Dezember statt, sondern zunächst am Morgen des ersten Weihnachtstages. So handhaben es die meisten Länder heute noch. In Deutschland verschob sie sich nach und nach auf den Heiligen Abend – in evangelischen Familien bereits im 19. Jahrhundert. Die Katholiken zogen allmählich nach. Der Brauch, zu schenken existierte aber schon bei unseren germanischen Vorfahren. Denn zum Überleben war es notwendig, Lebensmittel und knappe Ressourcen zu teilen. Im Kern ist das Schenken zu Weihnachten also ein Tauschhandel: Ich schenke – und bekomme etwas zurück.

Bis ins 19. Jahrhundert hinein wurden an Weihnachten nur Dienstboten beschenkt. Sie bekamen von ihren Dienstherren und -damen Kleidung und Schuhe – auch Stoff oder Leinen für die Aussteuer. Das Bescheren der Kinder beschränkte sich zunächst auf Äpfel, Nüsse und Lebkuchen. Erst im 19. Jahrhundert kam – mit dem wachsenden materiellen Wohlstand – der Brauch der Kinderbescherung auf. Mittlerweile ist der Heiligabend längst zum Hauptgeschenktag der Deutschen geworden. katholisch.de

Passendes Spielzeug schenken

Am besten kommen Geschenke bei Kindern an, die sie mit der Familie zusammen nutzen können. FOTO: SILVIA MARKS, TMN
Am besten kommen Geschenke bei Kindern an, die sie mit der Familie zusammen nutzen können. FOTO: SILVIA MARKS, TMN
Weihnachten steht vor der Tür – und somit für viele Familien auch die Frage: Was schenken wir unserem Kind? Man überlegt hin und her, hört sich vielleicht bei anderen Eltern um, schaut im Internet oder im Geschäft nach Ideen und gibt am Ende nicht selten viel Geld für das vermeintlich richtige Spielzeug aus. Und was macht der Nachwuchs? Lässt das neue Teil links liegen und spielt stattdessen mit einem Schneebesen oder dem Handy der Eltern. Klar ist: Danebenliegen kann man mit einem geschenkten Spielzeug immer, das passiert. Etwas leichter wird es vielleicht, wenn man sich vor Augen führt, was Spielen für Kinder bedeutet: „Das Kind erobert sich die Welt und erforscht die Funktion der Gegenstände“, erklärt Psychologe und Psychotherapeut Andreas Engel von der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung (bke). „Viele Spielzeuge wie Kinderküchen, Autos oder Puppen sind deshalb die Welt im Kleinen.“

Beim passenden Spielzeug kommt es auch auf das Alter an, sagt Diplom-Psychologin Prof. Fabienne Becker-Stoll, Direktorin des bayerischen Staatsinstitutes für Frühpädagogik. Kleine Kinder unter einem Jahr orientieren sich vor allem an ihren Bindungspersonen – den Eltern. „Das Kind ist mit seiner Aufmerksamkeit bei dem, was Mama und Papa machen. Und was die machen, wollen sie auch machen.“ Wenn ein Elternteil zum Beispiel in der Küche steht und kocht, sind kleine Kinder mit einem Topf und einem Holzlöffel oder einer Dose etwa mit trockenen Nudeln darin absolut zufrieden.

Etwas einfacher wird es, wenn das Kind schon Spielzeug hat, das ihm gefällt. Dann kann man sich an den Themen orientieren, die das Kind spannend findet, erklärt Ingetraud Palm-Walter von der Initiative „spiel gut“. Mag das Kind etwa Baufahrzeuge, muss man nicht den fünften Miniatur-Bagger schenken. Stattdessen nimmt man das Thema auf und schenkt vielleicht ein Buch oder ein Puzzle mit Baggern, rät die Expertin.

„In den ersten drei Lebensjahren haben Kinder mehr Freude, wenn sie Spielzeuge gemeinsam mit den Eltern bespielen können“, sagt Becker-Stoll. Eltern sollten sich also nicht nur viel Mühe bei der Auswahl des Geschenks geben, sondern sich Zeit nehmen und Freude daran haben, mit dem Nachwuchs gemeinsam damit zu spielen. Ein Beispiel: „Man kann den teuersten Fußball kaufen, wenn man nicht gemeinsam Fußball spielt und die Freude teilt, dann liegt der Fußball in der Ecke“, erklärt Becker-Stoll.

Besonders geeignet sind Spielzeuge, die viel Raum für Fantasie lassen, sagt Engel. Eine sprechende Puppe gibt da zum Beispiel weniger Freiheiten als eine, bei der das Kind die Puppe spielt. tmn