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Würzburg

Warum die Kickers eine Chance haben

Nach drei Liga-Niederlagen in Serie wollen die Kickers-Akteure (von links) Patrick Sontheimer, Dominic Baumann, der Ex-Hoffenheimer Luca Pfeiffer und Fabio Kaufmann gegen Erstligist Hoffenheim überraschen. FOTO: FRANK SCHEURING

In der Dritten Liga setzte es für die Würzburger zuletzt drei Niederlagen. Weshalb das DFB-Pokal-Spiel gegen Erstligist TSG Hoffenheim trotzdem spannend werden kann.

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WÜRZBURG. Viel ist da auf den ersten Blick nicht, was den Fußballern der Würzburger Kickers vor ihrem Erstrunden-Spiel im DFB-Pokal-Wettbewerb gegen den Erstligisten TSG Hoffenheim am Samstag (18.30 Uhr) Hoffnung machen könnte. Drei Niederlagen setzte es zuletzt in der Dritten Liga in Serie mit elf Gegentoren. Nach vier Spieltagen steht die Mannschaft von Trainer Michael Schiele auf Rang 17 und somit auf einem Abstiegsplatz. Die Kickers stecken früh in der Saison in einem Tief. Selbst Kreisligist SV Mosbach taugte im Toto-Pokal-Wettbewerb nicht als Aufbaugegner. Mit Ach und Krach gewann eine B-Elf der Rothosen, bei der mit Dave Gnaase und Lion Schweers zwei Spieler in der Startelf standen, die auch beim 0:3 in Ingolstadt begonnen hatten. 5:3 stand es am Ende nach einem zwischenzeitlichen 1:3-Rückstand. Was bleibt also außer dem Prinzip Hoffnung. Sechs Gründe, warum die Kickers nicht chancenlos sind:

Weil die Kickers die Kehrtwende einleiten könnten

Eine Pokalasensation würde die Lage in der Liga zwar noch nicht verbessern, die Stimmung rundum die Rothosen würde aber deutlich besser werden. Die Kickers haben, so betont es Trainer Michael Schiele „absolut nichts zu verlieren“. Womöglich kommt dieses Spiel gegen einen scheinbar übermächtigen Gegner ja gerade Recht, um die Verunsicherung, die sich zuletzt breit gemacht hatte, aus den Beinen zu schütteln. Von Lampenfieber ist nichts zu spüren. „Die Vorbereitung läuft wie bei jedem anderen Spiel,“ sagt Schiele.

Weil sich die Kickers Kreisligist Mosbach zum Vorbild nehmen können

„Wir haben ja selbst zu spüren bekommen, was für einen Underdog alles möglich ist“, erinnert Schiele an das Toto-Pokal-Spiel vom Mittwoch, als sein Team von einem nach einem frühen Treffer immer mutiger werden den Gegner vor einige Probleme gestellt wurde.

Weil Trainer Michael Schiele womöglich die Taktik ändert

In dieser Woche ließ der Kickers-Coach im Training sein Team zeitweise mit einer Fünferkette verteidigen. Auch ein Mittel, um die zuletzt arg wacklige Abwehr – die Kickers haben mit zwölf Gegentreffern so viele Tore kassiert wie kein anderer Drittligist – zu stabilisieren. Er habe die Hoffenheimer beobachtet und analysiert, berichtet Schiele. Die eine oder andere Veränderung in der eigenen Startelf sei zu erwarten, kündigte er an. Definitiv nicht zur Verfügung steht ihm Patrick Breitkreuz. Der Angreifer hat sich beim 0:3 in Ingolstadt am vergangenen Freitag einen Riss des Außenbandes am Knöchel zugezogen.

Weil Luca Pfeiffer zeigen will, was er drauf hat

Der Angreifer spielte einst in der Jugend für die Hoffenheimer. Den Durchbruch schaffte er im Kraichgau aber nicht. „Ich hänge nicht allzu sehr an dem Verein“, sagt er heute, ergänzt aber: „Das ist natürlich ein Top-Los für uns.“ Die Vorfreude auf den Vergleich mit dem Bundesliga-Team der TSG sei groß. „Tore schießen“ sagt er auf die Frage, was denn nun seine Aufgabe am Samstag sei. Wenn Pfeiffer, der einzige Spieler im Kickers-Kader mit Hoffenheimer Vergangenheit, sich am Samstag über eine Pokalsensation freuen könnte, hätte er auch schon einen Wunschgegner für die zweite Runde: „Borussia Mönchengladbach. Ich bin Gladbach-Fan.“

Weil Albion Vrenezi für mehr Spielwitz sorgen kann

Er soll der Schlüsselspieler im Würzburger Angriffsspiel werden. Von Albion Vrenezi wird viel erwartet. Nur konnte der Offensivmann, der für ein Jahr von Jahn Regensburg ausgeliehen ist, sein Können bislang in noch keinem Pflichtspiel für die Rothosen unter Beweis stellen. Das soll sich am Samstag ändern. Gut möglich, dass Schiele Vrenezi schon in der Startelf einsetzt. Der 25-jährige Kosovare könnte das Überraschungselement im Kickers-Spiel sein.

Weil Sebastian Schuppan weiß, wie Pokal-Sensationen gehen

Kein Akteur im Kickers-Kader verfügt über so viel Erfahrung wie Sebastian Schuppan. Insgesamt 16 DFB-Pokal-Partien hat der 33-Jährige bestritten und davon immerhin zehn gewonnen. Der größte Coup: In der Saison 2014/15 schaffte er mit dem damaligen Drittligisten Arminia Bielefeld den Einzug ins Halbfinale. Drei Bundesligisten konnten die Ostwestfalen damals auf ihrem Weg dahin bezwingen. Überhaupt schied Schuppan bei sechs DFB-Pokal-Teilnahmen mit vier verschiedenen Klubs nur zweimal in der ersten Runde aus. Einmal freilich mit den Kickers vor zwei Jahren beim „Heimspiel“ in Offenbach gegen Werder Bremen (0:3).

Hoffenheim übt Elfmeterschießen

Der neue TSG-Trainer Alfred Schreuder hat die Kickers per Video studiert

Hoffenheims neuer Trainer: Alfred Schreuder. FOTO: UWE ANSPACH, DPA
Hoffenheims neuer Trainer: Alfred Schreuder. FOTO: UWE ANSPACH, DPA
Von FLORIAN HUBER  

SINSHEIM. Alfred Schreuder legt kurz seine Stirn in Falten. Man sieht, wie er in der Vergangenheit kramt. Gescheitert im Pokal an einem unterklassigen Klub? Der Trainer von Fußball-Bundesligist TSG 1899 Hoffenheim überlegt, dann fällt ihm ein: „Ja, einmal als Spieler mit RKC Waalwijk an einem Zweitligisten.“ Viel schneller gegenwärtig ist hingegen die Erinnerung an den 5. Mai, an das 4:0 von Ajax Amsterdam gegen Willem II Tilburg. Als Co-Trainer stemmte Schreuder zuletzt den Pokal des Königlichen Niederländischen Fußballbundes in die Höhe. „Es ist sehr schön, Pokalsieger zu sein“, sagt Schreuder.

Nun ist er Cheftrainer der TSG 1899 Hoffenheim, an diesem Samstag (18.30 Uhr) tritt der Kraichgau-Klub im DFB-Pokal-Wettbewerb als großer Favorit beim Drittligisten Würzburger Kickers an. „Das Schönste am Pokal in Deutschland ist doch, dass jeder Verein die Chance hat, ihn zu gewinnen“, findet der 46-Jährige. Der Gegner wurde per Video studiert. „Die Kickers haben es in den letzten Jahren ganz gut gemacht in der 3. Liga, sie haben viele junge Spieler“, sagt der Niederländer. Nach sechs Wochen der Vorbereitung lautet Schreuders Devise: „Es ist Zeit für Wettkampf.“ Klar ist aber auch: „Ajax kann man nicht vergleichen mit Hoffenheim, das ist eine ganz andere Erwartungshaltung.“

„Der Pokal ist uns sehr wichtig“

Schreuder wird sich in den nächsten Wochen und Monaten immer auch an seinem Vorgänger Julian Nagelsmann messen lassen müssen. Das mag mitunter undankbar sein. Doch in keinem Wettbewerb ist es für den Niederländer einfacher, seinen ehemaligen Chef Nagelsmann zu übertrumpfen. Jahr für Jahr gab es eine Zielvereinbarung mit den 1899-Profis. Stets sah diese vor, dass die TSG Hoffenheim im Pokal überwintert. Sprich, die Runde der besten Acht oder zumindest 16 erreicht. Dreimal scheiterten die Hoffenheim an diesem Ziel. Immer in Runde zwei Ende Oktober war Endstation: In Köln 2016 (1:2 n.V.), Bremen 2017 (0:1) und Leipzig 2018 (0:2) war der Traum von der Berlin-Reise früh vorbei. „Der Pokal ist für uns sehr wichtig“, sagt Schreuder. Abgesehen von der Bundesliga ist es ja auch der einzige Wettbewerb, in dem sich der immer noch große TSG-Kader bewähren kann. Europa oder Champions League wie in den Vorjahren, das gibt es nicht. Eine Zielvereinbarung mit seiner Mannschaft hat Schreuder noch nicht abgeschlossen.

Hinter verschlossenen Türen haben sich die Hoffenheimer in dieser Woche auf das erste Pflichtspiel der Spielzeit vorbereitet. Im Trainingslager in Österreich erzählte Schreuder neulich, dass es bei Ajax Amsterdam prinzipiell keine öffentlichen Trainingseinheiten gebe. Selbst in Trainingslagern. Zu viele Spione.

Schreuder hat trotzdem verraten, was diese Woche auf dem Stundenplan stand. Nämlich Torabschlüsse. „Damit wir in diesen Situationen mehr Vertrauen bekommen“, sagt Schreuder. DFB-Pokal in der ersten Runde heißt ja immer auch: Defensive Außenseiter versuchen, den offensive Favoriten zu ärgern. Auch Elfmeter wurden trainiert. „Das machen wir sowieso im Training als kleines Wettkampfspiel“, so Schreuder. Fehlen werden in Würzburg Leonardo Bittencourt und Sargis Adamyan, Kostas Stafylidis stieg am Donnerstag ins Training ein. Stürmer Andrej Kramaric ist nach wie vor verletzt. „Er ist ein Topspieler, der uns immer fehlt“, sagt Schreuder.

Kapitän Kevin Vogt einsatzbereit

„Seinem Knie geht es ein bisschen besser“, sagte Schreuder am Donnerstag. Am Sonntag in einer Woche startet die Bundesligasaison für die TSG. „Ob er Frankfurt schafft, das weiß man noch nicht“, sagt Schreuder. Besser sieht es hingegen bei Sturmkollege Ishak Belfodil aus. „Es geht eigentlich sehr gut, das habe ich nicht erwartet, er hat schon verschiedene Einheiten mitgemacht“, sagt Schreuder. Auf jeden Fall einsatzbereit ist hingegen Kapitän Kevin Vogt, der das Testspiel-1:2 gegen den FC Sevilla mit einer Fußverletzung verpasst hatte.

Die TSG Hoffenheim hat indes Innenverteidiger Kasim Adams bis zum Saisonende an Fortuna Düsseldorf verliehen. Für seine Entwicklung ist das gut. Es ist wichtig, dass er viel spielt“, sagt Alfred Schreuder über den 24-jährigen Ghanaer, der im Vorjahr für acht Millionen aus Bern kam.

Fakten rund um das Pokalspiel

Fragen und Antworten vor der Partie am Samstag

Von FRANK KRANEWITTER  

Gibt es noch Karten?

Ja. Rund 8500 Tickets sind im Vorverkauf weg gegangen. Rund 1600 Gästefans werden die TSG Hoffenheim begleiten. Sowohl für den Heim- als auch für den Gästebereich wird es am Spieltag noch Tickets geben. Die Sitzplätze sowie die Mittelblöcke 3a und 3b auf der Gegengerade sind allerdings bereits ausverkauft. Die Kartenhäuschen öffnen am Samstag genauso wie die Stadiontore zwei Stunden vor Anpfiff also um 16.30 Uhr. Im Vorverkauf können Tickets für den Heimbereich auch noch im Internet (www.fwk.de) erworben werden.

Wie viele Zuschauer dürfen ins Stadion?

Nach wie vor ist die Kapazität der Flyeralarm Arena auf 10 006 Besucher begrenzt. Zwar wird derzeit bereits am von der Stadt Würzburg geforderten Schallschutz gebaut, endgültig beendet sind die Bauarbeiten, laut dem Kickers-Vorstandsvorsitzenden Daniel Sauer, aber erst im Herbst. Dann dürfen auch wieder knapp über 13 000 Zuschauer ins Stadion am Dallenberg hinein. Derzeit werden zwar alle Sitzplatztickets verkauft, dafür können die Kickers nicht die volle Kapazität der Stehränge ausreizen.

Kommt das Spiel live im TV?

Nur im Bezahlfernsehsender Sky. Unverschlüsselt sind die Erstrundenspiele zwischen Uerdingen und Dortmund am Freitag (20.30 Uhr, Sport1) sowie Energie Cottbus und Bayern München am Montag (20.45 Uhr, ARD), zu sehen.

Wie viel Geld nehmen die Kickers ein?

Im DFB-Pokal-Wettbewerb gibt es eine Zentralvermarktung durch den Deutschen Fußball-Bund (DFB). Das bedeutet, die Klubs selbst können beispielsweise keine Bandenwerbung verkaufen. Auch ob ein Spiel live im frei empfangbaren TV gezeigt wird oder nicht, spielt bei den Einnahmen der Klubs keine Rolle. Alle Einnahmen kommen in einen Topf und werden unter den Teilnehmern verteilt. Die Summe wurde im Vergleich zum Vorjahr erhöht. 130 500 Euro (Saison: 2018/19: 121 000 Euro) kassieren jene Klubs, die sich wie die Kickers über einen Landespokal-Wettbewerb für die Erstrunden-Teilnahme qualifiziert haben. Zusätzlich zu den Vermarktungseinnahmen kassieren die Kickers noch 45 Prozent der Zuschauer-Einnahmen aus ihrem Spiel. In der zweiten Runde gibt es dann schon eine garantierte Summe von 351 000 Euro aus dem Vermarktungstopf. Sollten die Kickers also tatsächlich am Samstag die Pokalsensation schaffen, könnten sie auf einen Schlag eine Einnahme von rund 500 000 Euro verbuchen.

Gibt es im DFB-Pokal-Wettbewerb den Videobeweis?

Seit dieser Saison kommen neben den Spielen der ersten Bundesliga auch bei allen Zweitliga-Partien Videoschiedsrichter zum Einsatz. In den ersten Runden des DFB-Pokal-Wettbewerbs gibt es aber weder die Torlinientechnik noch einen Video-Referee. In der Vorsaison wurden ab dem Viertelfinale die Schiedsrichter im Stadion von Unparteiischen vor dem Bildschirm unterstützt. In dieser Saison greifen die Videoschiedsrichter schon früher, nämlich ab dem Achtelfinale, also der dritten Runde, ins DFB-Pokal-Geschehen ein.

Wer pfeift die Partie am Samstag in Würzburg?

Der Deutsche Fußballbund (DFB) schickt einen sehr erfahrenen Schiedsrichter an den Dallenberg. Guido Winkmann hat bereits 127 Erstliga-Partien geleitet. Der 45-Jährige, der aus Kerken in Nordrhein-Westfalen stammt, ist seit 2008 Erstliga-Referee. Am Dallenberg war er auch schon einmal zu Gast. Winkmann leitete in der Würzburger Zweitliga-Saison 2016/17 das Montagabend-Heimspiel der Rothosen gegen den FC St. Pauli. Damals siegten die Kickers mit 1:0.