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Zufälliger Urmoment der modernen Medizin

Röntgenaufnahmen sind das älteste bildgebende Verfahren in der Medizin und noch heute wichtig, etwa bei Knochenbrüchen. FOTO: MONIQUE WÜSTENHAGEN, TMN

Röntgenstrahlen sind extrem kurzwellige, energiereiche elektromagnetische Strahlen, die viele Materialien durchdringen und damit durchleuchten können. Sie sind für das Auge nicht sichtbar. Auf einem Röntgenbild sind Knochen gut zu erkennen, Weichteile dagegen nicht.

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Die Entdeckung vor 125 Jahren führte zu einem gänzlich neuen Zweig der Medizin, der Radiologie: Dieser Urmoment der modernen Medizin war ein Zufall. Es ist Freitag, spät abends. Wilhelm Conrad Röntgen experimentiert mit elektrischen Entladungen in einer nahezu luftleer gepumpten Glasröhre. Sein Laboratorium an der Universität Würzburg ist dabei fast dunkel. Nur die allgemein bekannten und mit bloßem Auge sichtbaren Leuchterscheinungen in der Röhre erhellen den Raum schwach. Röntgen umhüllt die Röhre mit schwarzem Karton. Und beobachtet, dass sich ein entfernt stehender Leuchtschirm aufhellt. Mehr noch: Als er seine Hand irgendwann später – er verbrachte etwa sechs Wochen nahezu Tag und Nacht im Labor – zwischen Röhre und Leuchtschirm hält, sieht Röntgen auf dem Schirm den Schatten seiner Handknochen. Ungezählten Menschen hat das Verfahren bisher geholfen. Röntgen erhielt 1901 den ersten Nobelpreis für Physik. Und schon 1905 hieß es beim Kongress der Röntgen-Vereinigung zu Berlin: „In dieser vervollkommneten Weise sind die Röntgenstrahlen, (...), in allen Spezialfächern der Menschenheilkunde, (...) ein unersetzliches und unentbehrliches Hilfsmittel geworden.“ Daran hat sich bis heute nichts geändert. Die Radiologie setzt bei der Analyse solcher Bilder zunehmend auf digitale Assistenten: Eine Software auf Basis Künstlicher Intelligenz erkenne in den Bildern kleine Störungen oder Tumore und weise die Radiologen darauf hin. „Der Computer wird den radiologischen Befund ergänzen“, erklärt der Präsident der Deutschen Röntgengesellschaft, Gerald Antoch. „Es wird darum gehen, den Radiologen bei seiner Arbeit zu unterstützen.“ tmn

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